Forschungsprojekte Prof. Dr. Carl-Walter Kohlmann
Aktuelle Forschungsprojekte
- Unterrichtstätigkeit, Emotionen und Selbstwirksamkeitserwartung im Physikunterricht
Im Rahmen der Theorie Banduras zum Aufbau von Selbstwirksamkeitserwartungen spielen 1. symbolische, 2. stellvertretende und 3. direkte Erfahrungen eine von 1. bis 3. zunehmende Bedeutung als Quelle der Selbstwirksamkeitserwartung. Darüber hinaus kommt den begleitenden Emotionen Bedeutung zu. Unterscheidet man z. B. in Anlehnung an Vorarbeiten aus dem IPN (Kiel) im Rahmen des Unterrichts zwischen rezeptiven Tätigkeiten (z. B. einem Lehrervortrag zuhören, den Lehrer oder Mitschüler bei der Durchführung eines Experiments beobachten), praktisch-konstruktiven Tätigkeiten (einen Versuch aufbauen und durchführen), theoretisch-konstruktiven Tätigkeiten (etwas berechnen) oder bewertenden Tätigkeiten (die Konsequenzen einer Entwicklung diskutieren), so sind diese in unterschiedlichem Ausmaß mit den unter 1. bis 3. genannten Erfahrungen verbunden (z. B. direkte Erfahrung bei praktisch-konstruktiven Tätigkeiten). Gelingt der jeweilige Unterricht (ist verständlich, Experiment funktioniert), so sollten die begleitenden Emotionen (z. B. Freude oder Interesse als Aspekte des positiven Affekts nach Watson und Clark) ein Vermittler zum Aufbau einer fachspezifischen Selbstwirksamkeitserwartung sein, wobei der Zusammenhang bei den direkten Erfahrungen am stärksten ausfallen sollte. Analoges würde man bei misslingendem Unterricht erwarten. Gerade das erlebte eigene Scheitern (z. B. bei einer Berechnung oder der Durchführung eines Experiments) und die damit verbundenen negativen Emotionen (z. B. Ärger, Enttäuschung) sollten dem Aufbau der spezifischen Selbstwirksamkeitserwartung entgegen wirken.
Nach einer Entwicklung bzw. Adaptation der notwendigen Fragebogen und Ratingskalen wurde in einer ersten Untersuchungsreihe mit vier Klassen (ca. 100 Schülerinnen und Schüler, 8. und 9. Realschul- und Gymnasialklassen) an jeweils vier Unterrichtsstunden pro Schüler auf spezifisch angepassten Selbsteinschätzungsskalen die Unterrichtsaktivitäten in den o.g. Variablen neben den Emotionen und der spezifischen Selbstwirksamkeitserwartung und Hilflosigkeit erfasst. Im Rahmen eines Mehrebenenmodells, in dem der Einfluss der Klasse und der Zeitpunkt der bewerteten Unterrichtseinheit kontrolliert wurden, zeigte sich z. B. dass praktisch-konstruktive Tätigkeitseinschätzung generell, jedoch insbesondere bei „verständlichem“ Stoff, mit positiver Affektivität korreliert war (moderierender Effekt der Verständlichkeit). Bewertende Tätigkeitseinschätzungen hingen dagegen eher mit negativem Affekt zusammen.
Im Moment richtet sich das Augenmerk auf die Optimierung der Operationalisierungen (evtl. auch für andere Fächer). Langfristig ist an den Einsatz im Rahmen der schulpraktischen Ausbildung gedacht.
Das Projekt wird gemeinsam mit meinem Mitarbeiter Dr. Uwe Heim-Dreger (Dipl.-Päd. und Hauptschullehrer) und den Physikdidaktikern Evelyn Schröter und Prof. Dr. Roger Erb durchgeführt. Seit 2005 wird es mit Mitteln des Forschungsfonds der Pädagogischen Hochschule mit bisher ca. € 7.000 und Haushaltsmitteln der beiden Arbeitsgruppen finanziert. Erste Projektergebnisse wurden auf der „4. Tagung der Sektion ‚Empirische Bildungsforschung’ der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE)“ vom 19. bis 21. März 2007 an der Bergischen Universität Wuppertal vorgestellt.
- Vernetzte Gesundheitsförderung in der Schule (VEGIS)
Das Ziel des Forschungsvorhabens zur schulischen Gesundheitsförderung liegt in einem Teilprojekt in einer Verbindung von Beratung, Begleitung und wissenschaftlicher Evaluation von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention in der Schule. Mit Schwerpunkt Ostwürttemberg (Ostalbkreis und Kreis Heidenheim) sollen Schulen bei der Umsetzung von selbst initiierten aber auch nachgefragten Einzelmaßnahmen und Projekten zur Gesundheitsförderung wissenschaftlich begleitet werden. Der Präventionsbedarf ist manchmal in beiden Geschlechtsgruppen unterschiedlich, so dass gegebenenfalls mit gendersensitiven bzw. spezifischen Präventionsangeboten reagiert werden sollte. Analoges gilt z. B. auch für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, um ihnen ein bedarfsorientiertes gesundheitsbezogenes Präventionsprogramm anbieten zu können. (Hierzu wird ein begleitendes Forschungsprojekt „Stressprävention bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ [Eschenbeck & Kohlmann] durch den Forschungsfonds der Pädagogischen Hochschule seit 2005 finanziert. Die Mercator-Stiftung (Essen) finanziert über das Projekt „Mehr Bildung – bessere Integration“ [Brunner & Plieninger, Fach Deutsch] Förderunterricht im Ostalbkreis für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. Während des Projektzeitraums von 2005 bis 2008 werden über 1200 Schüler mit Migrationshintergrund durch Förderunterricht im Rahmen von Nachmittagsunterricht und einer Sommerschule unterstützt, wobei modellhaft ein Modul zur Förderung von Stressbewältigung zur Anwendung kommt.)
Darüber hinaus soll in einem zweiten Teilprojekt ein Forum geschaffen werden, in dem sich die Akteure in einem regelmäßigen Zeitraum über die einzelnen Schulen hinweg austauschen können. Die Entwicklung eines Programms zur Fort- und Weiterbildung in „Schulischer Gesundheitsförderung“ wird angestrebt. Eine besondere Aufmerksamkeit soll auch den außerschulischen Maßnahmen auf kommunaler Ebene gewidmet werden. Inhaltliche Schwerpunkte stellen Ernährung, Bewegung und subjektives Wohlbefinden (Schwerpunkt Stressbewältigung) dar. Als besonders günstige Rahmenbedingung kann auch der zum Sommersemester 2006 an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd gestartete Erweiterungsstudiengang „Gesundheitsförderung“ für Lehramtsstudierende und Lehrerinnen und Lehrer gesehen werden (als grundständiger Bachelorstudiengang zum WS 07/08 geplant). Erste Ergebnisse aus einer Befragung der ca. 200 Schulen in Ostwürttemberg ergaben bei einer Rücklaufquote von über 50% für im letzten Jahr durchgeführte schulische Maßnahmen Schwerpunkte in den Bereichen Sucht- und Gewaltprävention, Ernährung und Bewegung. Starker Bedarf an Unterstützung wurde in diesen Bereichen und darüber hinaus in Stressbewältigung und Lebenskompetenz mitgeteilt.
In einem dritten Teilprojekt werden in Kooperation mit der Gmünder Ersatzkasse deren Versicherte (hier: ca. 150.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 14 Jahren und eine Teilstichprobe von ca. 1.200 adipösen Kindern und der gleich großen Anzahl von Kindern ohne Adipositas) zur Komorbidität von Adipositas mit externalisierenden und internalisierenden Störungen, Schlafstörungen und Krankenhausaufenthalten (auf der Basis vorliegender anonymisierter Daten) und in einer Befragung zu ihrem Gesundheitsverhalten (Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung, Mediennutzung) und Wünschen und Barrieren der Gesundheitsförderung in Schule und Freizeit untersucht.
Das Projekt wird finanziert von der Gmünder ErsatzKasse GEK (Laufzeit 10/2006 bis 09/2009, Gesamtvolumen: € 243.000); Projektmitarbeiterinnen sind die beiden Diplom-Psychologinnen Cornelia Groß und Stefanie Newedel.