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Projekt der Stiftung Mercator
„Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund"

„Es ist für mich immer noch beschämend, dass Kinder aus Migrantenhaushalten und -familien offensichtlich schlechtere Chancen haben als andere Kinder.“ 

Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident 


Die Situation

Fehlende Sprachkenntnisse verhindern gute Leistungen. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind im deutschen Bildungssystem benachteiligt.

Internationale Vergleichstudien führen es uns immer wieder deutlich vor Augen: Im deutschen Bildungssystem schneiden Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im Leistungsvergleich schlechter ab als ihre deutschen Mitschüler. Ihnen gelingt nur selten der Sprung auf eine höhere Schule. Während 25 % der deutschen Schüler eines Jahrgangs mit dem Abitur in der Tasche die Schule verlassen, erlangt nur jedes zehnte Migrantenkind am Gymnasium die Hochschulreife. Jeder fünfte Schüler mit Migrationshintergrund verlässt die Schule sogar ohne Abschluss. Häufigste Ursache für schwache schulische Leistungen ist fehlende Sprachkompetenz. Mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache erschweren den Zugang zum Bildungssystem und verhindern qualifizierte Abschlüsse. Und ohne die gibt es auch im späteren Berufsleben kaum Chancen. Die Sprache bleibt das wichtigste Mittel zur Integration – und der Schlüssel zum Erfolg in Schule und Beruf.

Deshalb muss zur wirksamen Förderung von Migrantenkindern eine flächendeckende, durchgängige Sprachförderung vom Kindergarten bis zum Übergang in die Berufsausbildung eingeführt werden. Denn besonders gravierend ist, dass gerade die Sekundarstufen I und II in der staatlichen Förderung noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit gefunden haben. Es gilt, noch eine ganze Reihe von Aufgaben in Angriff zu nehmen: etwa die individuelle Förderung von Schülern zu stärken, die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften zu den Themen Sprachförderung, individuelle Förderung und Interkulturalität zu verbessern, die Elternkompetenz zu stärken sowie regionale Netzwerke zu schaffen, die in der Förderung von jungen Migranten zusammen arbeiten.



Die Initiative der Stiftung Mercator


Die Stiftung Mercator hat mit dem Projekt „Förderunterricht für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund“ ein pragmatisches Modell entwickelt, das Kindern, Jugendlichen und Lehramtsstudierenden gleichermaßen hilft, sich zu entwickeln. Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien bekommen kostenlosen außerschulischen Förderunterricht.

In Kleingruppen von 3 – 7 Teilnehmern erhalten sie Sprach- und Fachunterricht von Lehramtsstudierenden. Diese aktive Unterstützung wirkt sich auch über die reine Wissensvermittlung hinaus positiv aus. Es ist ein aktiver Beitrag zur sozialen Integration, denn die Kinder und Jugendlichen können sich auch bei Problemen in der Schule oder in der Familie vertrauensvoll an ihre Förderlehrer wenden. Das Angebot richtet sich gezielt an Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 – 13 (Sekundarstufe I und II). Die Erfolge der individuellen Förderung werden sichtbar: schon nach geringer Förderdauer verbessern sich die Kinder und Jugendlichen in ihren schulischen Leistungen, werden offener und selbstsicherer. Schüler mit Migrationshintergrund, die unter den gegebenen Umständen keinen bzw. nur einen Hauptschulabschluss erlangen würden, können mit professioneller Unterstützung ihrer Förderlehrer sogar die Hochschulreife erreichen.

Vom Projekt profitieren aber auch die Lehramtsstudierenden. Sie erwerben als Förderlehrer intensive Praxiserfahrungen im Umgang mit mehrsprachigen, bikulturellen Kindern und Jugendlichen.


Derzeit werden in 11 Bundesländern an 29 Standorten etwa 6.000 Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I und II durch ca. 1.200 Studierende gefördert. Die Wirksamkeit des Projekts wurde 2009 durch eine Evaluation bestätigt. Zurzeit entstehen verschiedene Modelle, die aufbauend auf dem Förderunterricht sowohl die Lehrerausbildung im Bereich Deutsch als Zweitsprache fokussieren als auch eine flächendeckende Sprachförderung durch verschiedene Bildungsallianzen mit öffentlichen Trägern zum Ziel haben [http://www.stiftung-mercator.de/index.php?id=95].

 

Mehr Informationen zum Projekt Integration durch Bildung 2005-2009 finden Sie hier.

 

 

Aktuelle Projekte

 

Matching-Fund-Projekt 

 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Maria Brunner, Akad. O’Rätin Dr. Cornelia Zierau

 

Um die nachhaltige Entwicklung des Förderunterrichts zu sichern, konnten sich die bestehenden Standorte im Jahr 2009 auf einen Matching Fund bewerben. Das bedeutet, dass sie weiterhin von der Stiftung Mercator gefördert werden, wenn sie einen Träger zur Kofinanzierung in gleicher Höhe gewinnen konnten.


Neben der gesicherten Kofinanzierung mussten die Standorte ihr individuelles, auf die regionalen Gegebenheiten angepasstes Konzept weiterentwickeln und eine qualitativ hochwertige und auf die praktischen Bedürfnisse angepasste Förderlehrerausbildung nachweisen.
Gemeinsam mit Vertretern der öffentlichen Hand entwarfen 26 Standorte in neun Bundesländern standortspezifische Konzepte und werden nunmehr von ihr und der Stiftung Mercator gemeinsam gefördert. [http://www.mercator-foerderunterricht.de/projekt/weiterentwicklung-des-basismodells/nachhaltigkeit-durch-matching-fund-finanzierung.html]


Unter diesen Standorten ist auch das Konzept des Förderunterrichts am Standort Schwäbisch Gmünd vertreten. Die Finanzierung des Projektes ist bis 2013 gesichert. An der Finanzierung sind neben der Stiftung Mercator die Ostalb-Stiftung und die Stadt Schwäbisch Gmünd sowie die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd und die Stadt Heubach beteiligt.

 

Diagramm Finanzierung des Projektes

 

Der Förderunterricht findet an folgenden Schulen in Schwäbisch Gmünd, in Heubach und in Aalen statt:
Rauchbeinschule, Friedensschule, Mozartschule, Stauferschule, Uhlandschule, Schiller-Realschule, Adalbert-Stifter-Realschule, Schiller-Schule Heubach und Karl-Kessler-Realschule in Aalen.

 

Teilnehmer des Förderunterrichts
Teilnehmer des Förderunterrichts an der Friedensschule


Im Rahmen dieses Projektes arbeiten Studierende der PH Schwäbisch Gmünd an unseren Partnerschulen, wodurch sie einen guten Einblick in die jeweiligen Schulstrukturen bekommen.


Der Förderunterricht findet in Kleingruppen mit maximal sieben Schülerinnen und Schülern statt. Gefördert werden Schüler(-innen) mit Migrationshintergrund in den Klassen 5 – 7, Schüler(-innen) in den Abschluss- und Berufsvorbereitungsklassen von Haupt-, Real- und Berufsschulen sowie Quereinsteiger ins deutsche Bildungssystem, die über zu wenig Sprachkenntnisse verfügen, um dem Unterricht in den Regelklassen folgen zu können.


Die Sprachförderung ist fächerübergreifend: die Förderlehrkräfte führen Sprachstands-diagnosen durch und entwickeln Förderpläne für ihre Schüler(-innen).


 

 

Integration durch Bildung Sek. II – Berufsschulen 

 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Maria Brunner, Prof. Dr. Uwe Faßhauer, Dipl.-Pol Elke Németh

 

Unter dem Titel „Integration durch Bildung an der Sekundarstufe II“ baut die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd seit dem Schuljahr 2008/09 auf das außerordentlich erfolgreiche Mercator-Projekt (gestartet 2005) auf.


Das Projekt „Integration durch Bildung an der Sekundarstufe II“ wird geleitet von Frau Prof. Dr. Maria E. Brunner (Institut für Sprache und Literatur) und Herrn Prof. Dr. Uwe Faßhauer (Institut für Bildung, Beruf und Technik, IBBT), der die Kontakte zu den Berufsschulen herstellte. Die Stiftung Mercator stellt für das zweite Gmünder PH-Projekt 90.000 € zur Verfügung. Die Stelle der Projektkoordinatorin wird von der Pädagogischen Hochschule finanziert.


In diesem Projekt arbeiteten bislang 35 Studierende als Förderlehrer/innen, die mehr als 160 Schüler/innen an fünf berufliche Schulen unterrichteten. Die Gruppengröße beträgt durchschnittlich 4 Jugendliche, die zusätzlich zum regulären Unterricht eine Doppelstunde Förderunterricht besuchen.

 

Weitere Informationen finden Sie hier.


Im Rahmen der beiden Projekte entstanden zahlreiche studentische wissenschaftliche Hausarbeiten sowie wissenschaftliche Publikationen:

 

Semester Fach / Gutachter Autorin / Thema

WS 2007/08

Deutsch
Brunner / Zierau

Alexandra Kaschner:
Spiel als Methode der Lernförderung in Deutsch als Zweitsprache

SS 2008

Deutsch
Brunner / Zierau

Mei-Ling Stütz:
Sozialpsychologische Einflussfaktoren im Zweitspracherwerb

SS 2008

Deutsch
Brunner / Zierau

Natalia Schramm:
Deutsch als Zweitsprache – mit spezifischem Blick auf die Fertigkeit Lesen bei Kindern mit Migrationshintergrund

SS 2008

Soziologie
Immerfall / Zierau

Katja Spicyn:
Erfolgsfaktoren individueller Förderung von Migranten-kindern: eine exemplarische Analyse von Lehr- und Lernprozessen am Beispiel des Mercator-Förderunterrichts

WS  008/09

Mathematik
Wittmann / Zierau

Mona Chenillet:
Entwicklung und Evaluation eines Förderkonzeptes zum Textverständnis bei Sachaufgaben

WS  008/09

Deutsch
Brunner / Zierau

Julia Kifferle:
Interkulturelle Kinder- und Jugendliteratur im handlungs- und produktionsorientierten Förderunterricht am Beispiel von Janell Cannon´s Stellaluna

SS 2009

Deutsch
Metz / Zierau

Vera Schneider:
Leseförderung von Kindern mit Migrationshintergrund im Rahmen des Mercator Förderunterrichts

SS 2009

Berufspädagogik
Faßhauer / Németh

Berufliche Orientierung von Schüler/innen im BEJ – zum Einfluss sozioökonomischer Bedingungen und des Migrationshintergrundes auf die Berufswünsche von ‚benachteiligten’ Jugendlichen

SS 2010

EW Interkulturelle Bildung
Immerfall / Zierau

Simona Hoell:
Migration und ihr Einfluss auf die schulische Bildung – Eine Untersuchung am Beispiel eines Förderprogrammes

SS 2010

Deutsch
Metz / Zierau

Astrid Scherm:
Besondere Unterrichtsanforderungen für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund im Übergang von der Primastufe zur Sekundarstufe

SS 2010

Deutsch
Metz / Zierau

Annika Bihlmaier:
Wir sind zu Hause im Ostalbkreis – Zur Arbeit mit Biografien im DAZ-Unterricht

 

Publikationen


Brunner, Maria E. : Man kann in eine Literatur einwandern... – Performative Bilder des Fremden in der deutsch-türkischen Gegenwartsliteratur im Deutschunterricht der Sekundarstufe I. In: Literatur im Unterricht 3/2010 (i. Dr.).


Brunner, Maria E.: Bei Brecht und Fassbinder zur Schule gegangen Fatih Akins Filme im Deutschunterricht der Sekundarstufe II. In: Literatur im Unterricht 4/2010 (i. Vorber.).


Németh, Elke: Projekt „Integration durch Bildung“. Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an Berufsschulen. In: berufsbildung Juni 2010, S. 16 – 19.


Stiftung Mercator (Hg.): Der Mercator-Förderunterricht. Sprachförderung für Schüler mit Migrationshintergrund durch Studierende. Münster: Waxmann, 2010.


Zierau, Cornelia: Die mehrsprachige Klasse Interkulturalität auch als Thema im Literaturunterricht. In: Deutschmagazin 1/2010; S. 48 – 52.


Zierau, Cornelia: „Ohne Deutsch kann man hier nichts machen“ Förderung von Schüler(-innen) mit Migrationshintergrund. In: Deutschmagazin 2/2009, S. 51 – 56.


Zierau, Cornelia: Herbstschule – Ein Ferienprojekt in Schwäbisch Gmünd. In: Anja Ballis/Kaspar H. Spinner (Hg.): Sommerschule, Sommerkurse, Summer Learning. Deutsch lernen in außerschulischem Kontext. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 2008; S. 135 – 144.


Zierau, Cornelia: „Als ob sie mit Fremdsprache sprechenden Menschen an einem Tisch säße“ – Mehrsprachigkeit und Sprachreflexion bei Emine Sevgi Özdamar und Yoko Tawada. In: Michaela Bürger-Koftis/Hannes Schweiger/Sandra Vlasta (Hg.): „Polyphonie. Mehrsprachigkeit und literarische Kreativität". Wien: Verlag Praesens (i. Druck).



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