Institut für Sprache und Literatur – Abteilung Deutsch
Institut für Mathematik und Informatik – Abteilung Mathematik
Projektleitung, wiss. Mitarbeiter/in
| Leitung: | Prof. Dr. Jasmin Merz-Grötsch, Prof. Dr. Helmut Albrecht |
| Wiss. Mitarbeit: | Mirelle Schied |
Kurzbeschreibung
Dass sich trotz der das gesamte Studium begleitenden Einbindung der Schulpraxis bei nicht wenigen Studierenden Probleme ergeben, wenn sie nach dem ersten Staatsexamen ihren Vorbereitungsdienst antreten, hat unterschiedliche Ursachen. Um aber die zurecht hohen Anforderungen an die Qualität der Lehrerausbildung erhalten bzw. erreichen zu können, ist es dringend erforderlich, die fundierte fachwissenschaftliche Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen durch eine systematische und intensive Praxisreflexion zu stärken.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, durch empirische Studien herauszuarbeiten, welche Form(en) der schulpraktischen Ausbildung hierbei zielführend sind. Aus diesem Grund werden derzeit die traditionell verlaufende schulpraktische Ausbildung an der PH Schwäbisch Gmünd und die intensivierte Praktikumsform, das Praxissemester, mit ausgewählten empirischen Instrumenten überprüft und die Ergebnisse anschließend verglichen. Abschließend soll es zu einer vergleichenden Betrachtung weiterer Reformansätze der Pädagogischen Hochschulen Weingarten und Ludwigsburg mit dem Gmünder Modell kommen.
Hauptansatzpunkt des vorliegenden Forschungsprojektes ist die Zusammenfassung der seither vorgeschriebenen Tages- und Blockpraktika in ein Praxissemester. Dem Praxissemester voraus geht ein zweiwöchiges Orientierungspraktikum im Anschluss an das erste Studiensemester (Durchgang I, März 2007; Durchgang II, Oktober 2007). Während des „Praxissemesters“ (Durchgang I, April – Juli 2008; Durchgang II, Oktober 2008 – Januar 2009) sind die Studierenden an einer Schule vollständig eingebunden. Ein auf einen längeren Zeitraum ausgerichtetes Praktikum soll Einblick in die Strukturen der gesamten Schule schaffen: Umgang mit der Schulleitung, Arbeit im Kollegium und externen Kooperationspartnern sowie der tagtägliche Umgang mit den Schülerinnen und Schülern. Studierende haben zudem Gelegenheit an allen schulischen und außerschulischen Veranstaltungen teilzunehmen, die die Klassen betreffen, in denen sie unterrichten. Nicht zuletzt werden so die Anforderungen und Belastungen eines Schultages überhaupt erst erfahrbar.
Im Hinblick auf den eigenen Unterricht der Studierenden wird im Forschungsvorhaben das Ziel verfolgt, dass die Studierenden – in Zusammenarbeit mit dem Mentor – ihre Unterrichtsstunden in größeren Zusammenhängen längerfristig planen und durchführen, um so von den isolierten Einzelstunden, die lernpsychologisch nicht zu verantworten sind, wegzukommen und gleichzeitig zu erfahren, wie Unterricht arbeitsbereichsverbindend und fächerverbindend geplant und durchgeführt werden kann. Eine ausführliche Reflexion des Unterrichts durch den Mentor, durch DozentInnen der Pädagogischen Hochschule und darüber hinaus durch die wissenschaftlichen Mitarbeiterin/den Mitarbeiter sind eine der tragenden Säulen dieses Konzeptes.
Erste Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass bereits durch das Orientierungspraktikum viele Einblicke in die Aufgabenfelder eines Lehrers ermöglicht werden können. Aufgaben in schulischen und außerschulischen
Veranstaltungen und die, jeden Tag notwendige intensive, zeitaufwändige Unterrichtsvorbereitung verschaffen einen realistischen Einblick in den Berufsalltag und nicht zuletzt in die Belastungen des Lehrerberufes.
Die Evaluation des Praxissemesters sieht vorrangig die Überprüfung der Unterrichtskompetenz, der Erziehungskompetenz, der Organisations- und Kooperationskompetenz sowie die Reflexionskompetenz der Teilnehmer am Projekt vor. Ein Vergleich mit Teilnehmern aus der traditionell verlaufenden schulpraktischen Ausbildung soll zeigen, ob intensivierte, zusammenhängende schulpraktische Ausbildungsphasen Vorteile gegenüber den Tages- bzw. der Blockpraktika haben und in welchen Kompetenzbereichen welche Form der Praktika zu einer höheren Handlungskompetenz, im Sinne professioneller Lehrerausbildung, führen.
| Laufzeit: | Oktober 2006 – August 2009 |
| Finanzierung: | PH Schwäbisch Gmünd, Institute für Sprache und Literatur bzw. Mathematik und Informatik |
Literatur (Auswahl)
Frey A.(2004). Die Kompetenzstruktur von Studierenden des Lehrerberufs. Eine internationale Studie. In: Zeitschrift für Pädagogik 50, S. 903 – 925.
KMK (2004): Standards für die Lehrerbildung – Bericht der Arbeitsgruppe.
Oser F./Oelkers J. (Hrsg.) (2001). Die Wirksamkeit der Lehrerbildungssysteme. Von der Allrounderausbildung zur Ausbildung professioneller Standards. Chur u. a.: Rüegger.
Terhart E. (2007). Erfassung und Beurteilung der beruflichen Kompetenz von Lehrkräften. In: Lüders M./ Wissinger J.: Kompetenzentwicklung und Programmevaluation – Forschung zur Lehrerbildung, Münster.