Logo der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd
 
Hochschule Leitung & Verwaltung Fakultäten & Institute Zentrale Einrichtungen Studium Forschung Aktuell International

 
 
 

Forschungsprojekte Prof. Dr. Uwe Maier

 

  • Die Realisierung testbasierter Schulreform in der Mehrebenenstruktur des Schulsystems
    Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
    Kooperationspartner: Prof. Dr. Harm Kuper (FU Berlin)
    Mitarbeiterinnen: Carolin Ramsteck, Annette Frühwacht (FAU Erlangen-Nürnberg)

    Vergleichsarbeiten sind Teil der KMK- Gesamtstrategie zur Sicherung und Entwicklung von Qualität im staatlichen Schulsystem. Die testbasierten Leistungsrückmeldungen sollen auf den Ebenen der Schulleitung, der Fachkonferenz und der einzelnen Lehrkraft interpretiert und als Anstoß für Qualitätsentwicklungsmaßnahmen genutzt werden. Bisherige Studien zeigen, dass diese Nutzung nur zum Teil stattfindet. Von einigen Autoren werden vor allem die Einstellungen und die mangelnde Datenkompetenz von Lehrkräften und Schulleitungen für die suboptimale VERA-Nutzung verantwortlich gemacht. Eine Problematik der VERA-Konzeption ist allerdings, dass eine für Schule unterkomplexe Wirkungslogik unterstellt wird. Unberücksichtigt bleiben die Handlungslogiken und differenten Aufgaben innerhalb des Systems Schule. In dieser Studie soll deshalb der Frage nachgegangen werden, ob durch ein komplexeres Modell der datenbasierten Schul- und Unterrichtsentwicklung sowohl Defizite als auch Positivbeispiele der Nutzung von Vergleichsarbeiten erklärt werden können.

    Auf Basis feedbacktheoretischer Überlegungen wurden für jede Akteursebene innerhalb einer Schule Aufgaben, mögliche Handlungstheorien, Rückmeldeinformationen und Ressourcen idealtypisch beschreiben. Ebenso wurden intentionskonforme Interaktionen zwischen den Ebenen modelliert. Momentan überprüfen wir die Annahmen des Modells mit einer qualitativen Interviewstudie an 24 Gymnasien in vier Bundesländern. Die Aussagen der Lehrkräfte, Fachkonferenzleiter/innen und Schulleiter/innen zur Nutzung von VERA-Rückmeldungen werden nach einer inhaltsanalytischen Basiskategorisierung entlang der feedbacktheoretischen Struktur des Modells sortiert: Handlungsziel, implizite Handlungstheorie, wahrgenommene Feedbackqualität, Ressourcen der Datennutzung. Erste Auswertungen bestätigen die Vermutung, dass auf allen Ebenen VERA-Rückmeldungen allenfalls vor dem Hintergrund einfacher und zum großen Teil auch didaktisch fragwürdiger Handlungstheorien reflektiert werden. Gründe für die Nicht-Nutzung von Rückmeldedaten lassen sich ebenfalls den theoretischen Facetten des Modells zuordnen.

    Literatur:
    Maier, U. (2010). Effekte testbasierter Rechenschaftslegung auf Schule und Unterricht: Ist die internationale Befundlage auf Vergleichsarbeiten im deutschsprachigen Raum übertragbar? Zeitschrift für Pädagogik, 56/1, 112 – 128.

    Wacker, A.; Maier, U. & Wissinger, J. (Hrsg.) (2012). Schul- und Unterrichtsreform durch ergebnisorientierte Steuerung. Empirische Befunde und forschungsmethodische Implikationen. Educational Governance Band 9. Wiesbaden: VS-Verlag.

    Maier, U. & Kuper, H. (2012). Vergleichsarbeiten als Instrumente der Qualitätsentwicklung an Schulen - Überblick zum Forschungsstand. Die Deutsche Schule, 104/1, 88 – 99.

 

 

  • Formative Leistungsmessung im naturwissenschaftlichen Unterricht
    Förderung durch die DFG (2011 bis 2014)
    Kooperationspartner: Prof. Dr. Randler (Biologiedidaktik, PH Heidelberg)
    Projektmitarbeiterin: Nicole Wolf

    Formative Leistungsmessungen gelten in der Lehr-Lernforschung als ein effektiver Weg zur Steigerung von Schülerleistungen und Lernmotivation. Durch häufige und in den Lehr-Lernprozess eingebaute Rückmeldungen sollen Lehrende und Lernende Informationen zur Optimierung ihres Lehr- und Lernverhaltens bekommen. Weitgehend empirisch gesichert sind Effekte von Feedbackinterventionen in psychologischen Experimentalstudien oder relativ eingegrenzten institutionellen Settings und einzelne Diagnoseaufgaben. Es gibt jedoch kaum ökologisch valide Experimentalstudien, in denen Feedbackmerkmale im Rahmen eines systematischen Konzepts formativer Leistungsmessung variiert werden. Ziel des Forschungsprojektes ist die empirische Überprüfung der kognitiven und motivationalen Effekte einer feedbacktheoretisch begründeten Rückmeldestrategie innerhalb einer Unterrichtseinheit zum Vogelflug und Anpassungsbegriff bei Vögeln im Fach Biologie. 10 Biologielehrkräfte unterrichten eine vom Zeitumfang festgelegte Unterrichtseinheit. In bestimmten Phasen wird die Klasse geteilt. Die Schüler/innen in der Treatmentgruppe bearbeiten einen formativen Leistungstest mit adaptivem Feedback (Korrekturmöglichkeit plus individualisierte Rückmeldung). Zudem wird der kumulative Lernfortschritt individuell dokumentiert. Die Schüler/innen in der Kontrollgruppe bearbeiten die gleichen Aufgabenstellungen, jedoch ohne spezifische Rückmeldestrategie und Dokumentation des Lernfortschritts. Durch dieses Forschungsdesign werden Effekte der Lehrervarianz minimiert. Die Effekte des Treatments auf Fachwissen, Interesse und Motivation werden mit Vor- und Nachtests geprüft. In einer qualitativen Vertiefungsstudie werden die Umsetzung des Treatments und die Nutzung der adaptiven Rückmeldungen durch die Schüler/innen erfasst.

    Literatur:
    Maier, U. (2010). Formative Assessment – Ein erfolgversprechendes Konzept zur Reform von Unterricht und Leistungsmessung? Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 13/2, 293 – 308.

    Maier, U. (2011). Formative Leistungsdiagnostik in der Sekundarstufe I - Befunde einer quantitativen Lehrerbefragung zu Nutzung und Korrelaten verschiedener Typen formativer Diagnosemethoden in Gymnasien. Empirische Pädagogik, 25/1, 25 – 46.

 

 

  • Förderung der formativen Diagnosekompetenz von Lehramtsstudierenden
    Förderung durch die Staedtler-Stiftung (2012 bis 2013)
    Projektleitung: Dr. Sigrid Zeitler (FAU Erlangen-Nürnberg)
    Projektmitarbeiterin: Carolin Rau (FAU Erlangen-Nürnberg)

    In der aktuellen Reformdiskussion über Unterricht und Lehrerbildung wird unter den Stichworten "Kompetenzorientierung" und "Umgang mit Heterogenität" eine stärkere diagnostische Expertise von Lehrkräften gefordert. Gerade in Schulformen mit einer heterogenen Schülerschaft können individuelle Fördermaßnahmen nur dann sinnvoll geplant werden, wenn Lehrkräfte die Lernvoraussetzungen und die Leistungsentwicklung einzelner Schüler/innen systematisch in den Blick nehmen. Das diagnostische Handeln von Lehrkräften ist jedoch traditionell immer noch sehr stark von der Notwendigkeit der Noten- und Zensurengebung, d.h. einer summativen Leistungsdiagnostik geprägt. Verfahren und Prinzipien der formativen, förderorientierten Leistungsmessung sind noch nicht flächendeckend implementiert.
    Unser Projekt zielt deshalb auf die Förderung der formativen Diagnosekompetenz von Lehramtsstudierenden. Bereits zu Beginn ihrer Ausbildung sollen zukünftige Lehrkräfte angeleitet werden, datengestützt die Lernentwicklung der Kinder und Jugendlichen zu begleiten. Erforscht werden soll, wie Studierende in einem Lernsetting, das durch eine enge Verbindung von universitärer Lehre und Praktikum gekennzeichnet ist, grundlegende Fähigkeiten des formativen Diagnostizierens erwerben. Mit Hilfe qualitativer Methoden soll die Anwendung von formativen Diagnoseverfahren durch Lehramtsstudierende und der damit eröffnete Blick auf die Lernprozesse der Schüler/innen erforscht werden. Ertragreiche Komponenten des Projektes sollen anschließend in die regulären Veranstaltungen zur Vorbereitung auf das pädagogisch-didaktische Schulpraktikum implementiert werden.

    Literatur:
    Maier, U. & Schymala, M. (2011). Verbesserung der Diagnosekompetenz von Lehrkräften durch externe, standardbasierte Testsysteme? – Lektionen aus anderen Ländern. In: Schulpädagogik heute, 2/3, S. 1 – 15 (abrufbar unter www.schulpaedagogik-heute.de).

    Maier, U.; Hofmann, F. & Zeitler, S. (2012). Formative Leistungsdiagnostik – Grundlagen und Praxisbeispiele. Schulmanagement-Handbuch 141. München: Oldenbourg.


nach oben zurück Druckansicht Seite weiterempfehlen