M. E. Brunner
Studieren in der Schweiz Italiens
Am Fuße des Nationalparks Sila, auch die „Schweiz Italiens genannt“, mit unberührten Wäldern und Gebirgen auf denen man in schneereichen Wintern in Camigliatello auf 1800 Metern Höhe Skifahren kann, liegt die wirtschaftlich bedeutende Provinzhauptstadt Cosenza mit der drittgrößten Universität Italiens. Deren Einzugsgebiet ist vor allem Mittel- und Süditalien; es studieren aber auch junge Leute aus aller Herren Länder dort, v.a. aus nicht EU-Ländern, vorrangig aus Asien und Afrika. Insgesamt sind es 500 Studierende, die an der Università della Calabria studieren und aus Südamerika, Afrika und Asien kommen.
Das Areal des Campus erstreckt sich über Hügel und Täler (genau: 200 Hektar) und ist mit seinem futuristisch wirkenden Gebäudekomplex im modernisierten Bauhausstil schon von weitem sichtbar: eine auf zwei Stockwerken sich hinziehende Brücke, auch Ponte genannt, der alle Gebäude (die sogenannten Kubi) verbindet und als Verbindungsstraße, die als dicht bevölkerte Fußgängerzone genutzt wird, dient. Umgeben wird das Areal von Macchia Mediterranea, Orangen- und Olivenbäumen in einer bis zum Frühsommer immergrünen Landschaft; in der Dürre des Sommers erklingt abends der Gesang der Zikaden. Auf dem Areal gibt es Restaurants, Bars, Pizzerie und einen botanischen Garten sowie Sportanlagen. Die Universität liegt eine halbe Stunde von der Küste entfernt – dort erstreckt sich das tiefblaue Tyrrhenische Meer an der Riviera Kalabriens mit Kiesstrand. Am Abend sind bei klarem Wetter die Umrisse der Äolischen Inseln und Stromboli mit der Rauchwolke des Vulkans zu erkennen; ein Zug verbindet Rende, wo der Campus mit seinen Wohnheimen und Sportanlagen liegt, mit der Küste im Westen Kalabriens und dem historischen Stadtzentrum Cosenzas, ein Bus mit dem Flughafen Lamezia Terme.
Geographisch ist Cosenza in zwei Teile geteilt: Das historische Zentrum auf dem Pancrazio-Hügel und das moderne, wirtschaftlich aufblühende Cosenza im Flußtal des Crati an dessen Ausläufer sich auch die Universität im Vorort Arcavacata di Rende befindet.
Die barocke Altstadt Cosenzas und die frühgotische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert (in der 1242 der Stauferkönig Heinrich VII begraben wurde) sind einen Besuch wert, aber auch der Palazzo Arnone, der Palazzo XV Marco, die Kirche San Francesco d'Assisi und das gewaltige Kastell auf dem Hügel Pancrazio.
Insbesondere am Abend lohnt sich ein Bummel über die Altstadt-Flaniermeile Corso Teliso, die von Antiquitätengeschäften, Kunstgalerien, Bars und Buchläden gesäumt wird. Ein Muss ist der Besuch im Gran Caffe Renzelli, ein Ort literarischer und musikalischer Begegnungen, wo dolci und cafe viennese gereicht werden
Der Doppelmaster-Studiengang
Die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd hat 2010 ein Abkommen mit der Università della Calabria unterzeichnet, das 2011 erweitert wurde; es öffnet die Wege für den dt.-ital. Doppelmasterstudiengang im Masterstudiengang „Interkulturalität und Integration“ (MA IKU). Die Vorbereitungsphase des Doppelmasters wurde auch vom DAAD gefördert.
Im Rahmen dieses Studiengangs wurden von der Studiengangsleiterin des MA IKU, Prof. Dr. Maria E. Brunner, im Dezember 2010 beim italienischen Universitätsministerium in Rom Mittel in erheblichem Ausmaß für Internationalisierung im Zuge des Bologna-Prozesses eingeworben, die zur Hälfte auch der PH Schwäbisch Gmünd zugutekommen; die zweite Hälfte fördert Studierende der Università della Calabria, die nach Schwäbisch Gmünd kommen, um an der PH für ein oder zwei Semester im MA IKU zu studieren und den akademischen Titel „Doppelmaster „Moderne Sprachen und Literaturen – Master of Arts IKU“ zu erwerben; denselben Titel erhalten die deutschen Studierenden an der Università della Calabria nach dem Austauschsemester. Auch Mittel für den Austausch von Dozenten und von Koordinatoren des Studiengangs IKU sind eingeworben worden. Derzeit werden 4 Stipendien in der signifikanten Höhe von 9.600 Euro an Masterstudierende (Interkulturalität und Integration) im zweiten oder vierten Semester auf der Homepage des PH ausgeschrieben (www.ph-gmuend.de). Frist für die Bewerbung ist der 23. 5. 2011.
Studierende des Master „Interkulturalität und Integration“ können sich im zweiten, dritten oder vierten Semester für ein Stipendium von 9.600 Euro bewerben, das aus Mitteln des ital. Universitätsministeriums stammt. In den kommenden Studienjahren wird es (etwas geringer dotierte) Mittel aus einem DAAD-Fond für Internationalisierung und Doppelmasterstudiengänge geben.
Die Studierenden belegen in Cosenza Module in ital. und engl. Sprache; die Prüfungsleistungen werden von der deutschen Partnerhochschule Schwäbisch anerkannt; es werden keine Studiengebühren für das Studium an der Partnerhochschule eingefordert, für ihre Unterbringung in geeignetem Wohnraum an der Partnerhochschule wird gesorgt, ebenso für Sprachkurse (in der Sprache der entsenden und empfangenden Hochschule); die UNICAL bietet eine Italienisch-Lernplattform an, an der PH Schwäbisch Gmünd werden für die incomigs DAF-Kurse und für die outgoings Italienisch-Kurse durch Muttersprachler angeboten. Für alle Studierenden werden je nach Verfügbarkeit finanzieller Mittel Tutoren in der Landessprache zur Prüfungsvorbereitung und für studienbegleitende Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Der Austausch von Studierenden, die nur einzelnen Leistungspunkte (ECTS), aber nicht den Doppelmaster werben wollen, ist möglich.
Eine Ausweitung des Austauschs auf weitere Studiengänge, u.a. Gesundheitsförderung, wird angestrebt. Die Studierenden verfassen eine Masterarbeit auch unter der zusätzlichen Supervision eines italienischen Dozenten oder Professors und erhalten den zusätzlichen Titel „Laurea in Lingue e Letterature Moderne“ zum Master of Arts der PH Schwäbisch Gmünd. Sie fügen der Masterarbeit in der Sprache ihrer Heimatuniversität ein summary in der Sprache der Partnerhochschule bei. Sie präsentieren im Masterkolloquium die an der Partnerhochschule erworbenen Kompetenzen und Kenntnisse sowie ihre spezifische interkulturelle Praxiserfahrung. Sie können in Cosenza Kurse in albanischer, englischer französischer, spanischer und rumänischer Sprache belegen, d. h. es geht dabei auch und v.a. um anthropologische Aspekte ebenso wie um Interkulturalität in den einzelnen Fremdsprachen-Philologien.. Sie haben die Chance, bei Institutionen im Interkulturellen und Interreligiösen Bereich in Kalabrien Projektpraxis zu erwerben und diese in einem Bericht in englischer oder italienischer Sprache zu dokumentieren. Außerdem lernen sie eine mehrkulturelle und mehrsprachige Region im Herzen des Mittelmeeres kennen, die von einer zunehmenden Einwanderung aus dem Maghreb, aus Afrika und dem arabischen und asiatischen Raum geprägt ist. Sie haben die Chance, wichtige Migrantensprachen (von Migrantengemeinschaften in Deutschland) wie Italienisch, Albanisch und Rumänisch oder Minderheitensprachen wie Okzitanisch zu lernen und den selbstverständlichen, alltäglichen Umgang mit sprachlicher und kultureller in einer in Deutschland noch unbekannten Dimension im Alltag ebenso wie bei Institutionen und im Universitätsstudium zu erleben. Last but not least: sie verbessern und erweitern ihre Fremdsprachenkenntnisse in Spanisch, Englisch und Französisch.
Die Universität
Sie wurde am 12. 3. 1968 gegründet und hat 33.000 Studierende. Das erste Gebäude, das für die Zeit der Gründung errichtet wurde, und sich harmonisch in die Landschaft einfügt, auch wenn es damals verstörend-modern wirkte und teilweise Bunker-ähnlichen Charakter hat wird auch Polifunzionale genannt. Es ist vor allem in den Sommermonaten enorm kühl, da bei der Architektur vor allem darauf Wert gelegt wurde. Der Architekt Vittorio Gregorio entwarf für den neuen Komplex die etwa 30 Meter hohen Gebäude in Form eines Kubus (“cubi" genannt), die sich entlang einer Brücke, die 2 km lang ist, aneinanderreihen (Pietro Bucci-Ponte).

Der dänische Architekt Martensson entwarf die Maisonettes für die Gästewohnungen der Hochschule für Dozenten.und für Miniwohnungen der Studierenden. Sie wurden 2007 eingeweiht; es gibt dort auch eine Theaterarena, Sportanlagen und ein Postamt. Weitere Wohnheimkomplexe wurde anschließend errichtet.
Insgesamt verfügt die Università della Calabria über den flächenmäßig größten Campus aller italienischen Universitäten.
Es gibt 6 Fakultäten;
1. Facoltà di Economia
2. Facoltà di Farmacia
3. Facoltà di Ingegneria
4. Facoltà di Lettere e Filosofia
5. Facoltà di Scienze Matematiche, Fisiche e Naturali
6. Facoltà di Scienze Politiche
Die Bibliothek verfügt über 400.000 Bände, 3000 Wohnheimplätze und 1500 Sitzplätze in der Mensa wo durchschnittlich 3500 Essen täglich ausgegeben werden. Zudem befinbdet sich auf dem Areale in Sprachenzentrum, ein botanischer Garten, ein Zentrum für Musik, ein Sportzentrum (für 25 Sportarten), ein ärztlicher Notdienst.
2010 wurde die Università della Calabria in der Liste der 100ARWU (Academic Ranking of World Universities) gerankt, die von der Jiao Tong- Universität in Shanghai erstellt wurde. Als italiensiche Universitäten tauchen dort nur die Ploytechnische Universität Turin und die Università della Calabria auf.
Im Ranking des Umfrageinstituts CENSIS rangiert die Università della Calabria an 1. Stelle (der Universitäten, die zwischen 20.000 und 40.000 eingeschriebene Studenten aufweisen). Die Parameter waren: Qualität der Angebote, Angemessenheit der Strukturen, Umfang der Stipendien und der www-Auftritt.

Maisonettes, geplant von Martensson
Forschungskooperation bestehen mit Universitäten in Albanien, Argentinien, Brasilien, Cameroon, Canada, Chile, China, Colombia, Cuba, Dänemark, Ecuador, Far Oer, den Philippinen, Frankreich, Deutschland, Japan, U.K., Equatorial Guinea, Iran, Kosovo, Libanon, Peru, Polen, Portugal, der Tschechischen Republik, der Republik Slovakei, Rumänien, Russland, Senegal, Slovenien, Spanien, Taiwan und Tunesien.
Die Professoren am Dipartimento di Linguistica, das den Doppelmaster koordiniert und maßgeblich mit Inhalten füllt sind international bekannt; im Bereich der Linguistik sind dies John B.Trumper, Nora Galli und M. Maddalon, für die albanische Sprache und Literatur Francesco Altimari; es gibt auch Lehrangebote im Bereich Gesundheitsförderung und mediterrane Traditionen im Bereich Ernährung.
Besonders die Aufbaustudiengänge in dieser Fachrichtung haben prominente Forschungskontakte zu Universitäten in den USA und in Großbritannien.
Kulturdenkmäler und Reiseziele in der Umgebung von Cosenza
Altomonte.
Dort findet jeden Sommer das Festival Euromediterraneo mit dem Fokus auf Oper, Tanz, Bildende Kunst und Literatur sowie Musik statt.
Die Chiesa di Santa Maria della Consolazione in Altomonte ist die einzige gotische Kirche in Süditalien (1345 und 1380 erbaut).
Sibari
Die Ebene von Sibari und die ionische Küste Kalabriens ist reich an Zeugnissen der großgriechischen und byzantinischen Vergangenheit und an zahlreichen Burgen.
Rocca Imperiale Marina ist ein gut ausgestatteter Badeort mit einem schönen Strand; im Hinterland auf 204 m Höhe liegt Rocca Imperiale, über das ein Castello aufragt, gebaut von Kaiser Friedrich II.
Von hier windet sich die Straße auf 860 m Höhe nach Nocara, wo sich die Reste des mittelalterlichen Nucaria befinden. Über die Panoramastraße erreicht man Oriolo, ebenfalls überragt von einem Castello. Kehrt man nun zur Küstenstraße zurück, erreicht man Montegiordano Marina, einen Badeort.
Nahe Spezzano Albanese, Zuflucht einer albanischen Gemeinschaft im 16. Jh. (davon gibt es mehrere in Kalabrien, wo noch albanesisch gesprochen und in der Schule gelehrt wird), steht das stark besuchte Stabilimento termale (Thermalanlage) mit salz- und jodbromidhaltigem Wasser, das bereits in der Antike bekannt war. Eine ähnlich alte Heilquelle befindet sich auch in Polychnitos auf der ägäischen Insel Lesbos.
Nach Lorenzo del Vallo und Terranova da Sibari erreicht man Sibari, den Knotenpunkt zwischen tyrrhenischem und ionischem Meer, zwischen Kalabrien und Apulien. Hier sind bedeutende Residenzen und Ferienanlagen an der Küstenstraße entstanden, darunter auch der Komplex Laghi di Sybaris mit einem Freizeithafen und einer Bootswerkstatt.
Sibari ist Nachkomme des antiken großgriechischen Sybaris, zerstört von Crotone 510 v. Chr., auf der später die hellenistische Kolonie von Thourioi entstand. Im 2. Jh. V. Chr. Überlagerte sich die römische Kolonie von Copia, eine blühende Stadt bis in die späte römische Kaiserzeit. Archäologische Grabungen im Parco del Cavallo führten bedeutende Funde aus Copia ans Licht: ein Theater, eine Thermalanlage, Überreste von Tempeln und Wohnungen. In Casa Bianca und Stombi gibt es weitere Grabungen. Seit 1996 gibt es eine Ausstellung im Museo della Sibaritide.
Südlich von Sibari liegt am Meer der bedeutende Fischereihafen Marina di Schiavonea und in den Bergen der Ort Schiavonea mit der antiken brasilianischen Abtei Santuario di Santa Maria di Illirico, die später von den Fürsten von Saluzzo umgebaut wurde. Größte Attraktion der Stadt Corigliano Calabro ist das gut erhaltene Castello mit zahlreichen interessanten Räumen und schönen Kunstwerken.
Der größte Schatz der Stadt Rossano ist der berühmte Codex purpureus, eines der ältesten und schönsten griechischen Evangeliare, der im Museo diocesano aufbewahrt wird. Zudem bietet Rossano die Kathedrale Acheropita, die Chiesa della Panàghia aus dem 12. Jh. und die Chiesa di San Marco und die byzantinisch geprägte Chiesa di San Bernardino.
Kulinarisches: gefüllte getrocknete Feigen von Oriolo, Mandeln, Agrumen, eingelegte Oliven und Olivenöl, Eschenmanna von Corigliano; Wein. Kalabrien ist v.a. bekannt wegen seiner scharfen Gerichte und Wurstwaren….
Ausschreibung
Frist für die Bewerbung
23. Mai 2011
Ausschreibung
Dekret des Rektors Prof. Giovanni Latorre
Vordruck Annahmeerklärung
Teilnahme Antrag