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Verfolgte türkische Wissenschaftlerin diskutierte mit angehenden Politiklehrern

Esra Mungan von der Bosporus-Universität Istanbul, eine Vertreterin der pazifistischen Gruppe „Akademiker für den Frieden“, war gestern auf Einladung von Prof. Dr. Schöne zu Gast in einem Politikseminar an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, um sich mit angehenden Lehrer/innen über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Meinungsfreiheit auszutauschen. Esra Mungan ist eine der türkischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die einen Aufruf unterzeichnet haben, der für die Aufnahme eines Friedensprozesses zwischen Türken und Kurden im Osten der Türkei wirbt. Bei ihrem Besuch an der PH berichtete Frau Mungan über die Repressalien, denen Unterzeichner der Petition seither ausgesetzt sind.


Prof. Schöne von der PH (r.), daneben Prof. Mungan von Akademiker für den Frieden, Fr. Krönert von der Palm-Stiftung und Prof. Gencay Gürsoy (l.)

Politikwissenschaftler Professor Schöne erklärt, wie es zu diesem außergewöhnlichen Besuch an der PH Schwäbisch Gmünd gekommen ist: „Schulen haben sich auch um Menschenrechtsbildung zu kümmern. Da lag es nahe, in einem Seminar, das sich mit Menschenrechten beschäftigt, nicht nur mit Lehrbüchern zu arbeiten. Stattdessen haben wir Menschen, die ihre Existenz und sogar ihr Leben für die Pressefreiheit riskieren, eingeladen.“

Für ihr Engagement nehmen Esra Mungan, sowie ihre Kolleginnen und Kollegen Gizem Sayin, Meral Çamçi, Dr. Halil Yenegün und Muzaffer Kaya am kommenden Wochenende stellvertretend für die Gruppe den Johann-Philipp-Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit der Schorndorfer Palm-Stiftung e. V. entgegen. Die Palm-Stiftung hat den Besuch von Esra Mungan vermittelt. Frau Krönert von der Palm-Stiftung e.V. erklärt dazu: „Unser Anliegen ist es nicht nur, Vorkämpfer für die Pressefreiheit zu ehren und verfolgten Journalisten zu helfen. Wir möchten auch jungen Menschen in Schulen und Hochschulen zeigen, was für ein wichtiges, aber zerbrechliches Gut die Meinungs- und Pressefreiheit ist."

In ihrem Erfahrungsbericht erzählte Esra Mungan, dass einige der Wissenschaftler/innen für ihre Unterschrift in Haft gesessen haben, während andere Berufs- und Ausreiseverboten oder Rufschädigungen ausgesetzt seien. In der Diskussion wurde Frau Mungan auch gefragt, was Deutschland hier tun solle: Sind Druck und Sanktionen der richtige Weg oder würden damit nur die letzten Gesprächsfäden zerrissen? Esra Mungan wünscht sich, dass die Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei nicht abgebrochen werden: „Das würde nur den Menschen, die sich in der Türkei für Demokratie einsetzen, schaden."