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Pädagogische Hochschulen nehmen Stellung zu den von Ministerin Eisenmann geplanten Institutionen

Die sechs Pädagogischen Hochschulen fordern eine systematische Einbindung ihrer Schulqualitätsforschung und forschungsorientierten Lehrerfortbildungen in die von Kultusministerin Eisenmann geplanten Institutionen zur Verbesserung der Schulqualität. Die CDU-Politikerin plant ein „Institut für Bildungsanalysen“, das die wissenschaftlichen Erkenntnisse liefern soll, auf deren Grundlage ein „Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung“ Unterstützungsangebote wie Fortbildungen und Handreichungen entwickelt.


Über die Anforderungen an Lehrerfortbildungen diskutierten PH-Rektorin Prof. Dr. Astrid Beckmann (3.v.l.) sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der PH mit erfahrenen Lehrerinnen und Lehrern.

„Die Pädagogischen Hochschulen führen bereits jetzt die Forschung durch, die am Landeszentrum für Bildungsanalysen aufgebaut werden soll“, sagt Prof. Dr. Astrid Beckmann, Rektorin der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Eine Meinung, die auch die Rektoren der anderen Pädagogischen Hochschulen vertreten. Denn bereits in den vergangenen Jahren wurden von den Pädagogischen Hochschulen Forschungsprojekte in diesem Bereich durchgeführt oder werden aktuell bearbeitet.

Zudem bieten die PHs forschungsorientierte Lehrerfortbildungen an, die sich die Lehrenden laut der jüngsten Umfrage explizit wünschen. „Diese Expertise sollte für die neuen Institutionen unbedingt genutzt werden – auch um keine weiteren Parallelstrukturen aufzubauen und den von Ministerin Eisenmann kritisierten ´Wildwuchs´ zu verringern“, erläutert Rektorin Beckmann die Forderung der Pädagogischen Hochschulen weiter. Die PH Schwäbisch Gmünd entwickelt ihre, u.a. mit dem Gmünder Lehrerforum, bereits institutionalisierten Lehrerfortbildungen dabei in enger Abstimmung mit den Lehrenden seit Jahren stetig weiter, um Forschungsergebnisse zur Fachdidaktik, Schulpädagogik oder sonstigen Bedingungen zur Schulqualität in umsetzbare Handlungsmöglichkeiten an den Schulen transferieren zu können. „Die Lehrerfortbildungen an der PH Schwäbisch Gmünd sind wissenschaftlich fundiert und stellen für den Unterricht der Lehrkräfte einen unschätzbaren Input dar“, bewertete Anne Walter, Rektorin der Grundschule in Unterschneidheim-Zipplingen, bei einer Diskussionsrunde zum Thema.

Die Lehrerfortbildungen der Pädagogischen Hochschulen erfahren nicht nur durch die LehrerInnen Anerkennung, sondern auch durch die Förderungen großer Drittmittelgeber wie z.B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder der EU. Bei dem von der PH Schwäbisch Gmünd koordinierten EU-Projekt ScienceMath war die von der Ministerin gewünschte Verbindung zwischen Forschung und Lehrerfortbildung direkt Teil des Projekts. Dem Forschungsprojekt folgten jährliche Lehrerfortbildungen nach dem ScienceMath-Fortbildungskonzept mit dem Titel „Cooperation Between Mathematics and Sciences – From Research Towards Enhanced Teaching“ – zu Deutsch: „…Von der Forschung zum verbesserten Unterrichten“.

Zudem wird allein an der Gmünder PH in zahlreichen Forschungsprojekten, die für die Institute relevant sein werden, zu Themen der Schulqualität aktiv geforscht. Dr. Simon Zell von der PH Schwäbisch Gmünd beschäftigte sich z.B. damit, wie SchülerInnen an Gymnasien mathematische Aufgaben lösen. Dazu führte er im Januar eine Vorstudie in Klassenstufe 10 mit 149 SchülerInnen an drei Gymnasien durch. Sehr deutlich wurde, dass die SchülerInnen Gleichungen in den meisten Fällen rezeptartig und nicht nach Verständnis der Sache lösten. Eine Pilotstudie für das Schuljahr 17/18 mit 550 SchülerInnen aus acht Gymnasien soll zeigen, dass SchülerInnen durch wöchentliche Übungen über zehn Minuten dazu befähigt werden, Gleichungen weniger nach Rezept, sondern mehr mit Verständnis zu lösen. Die dazu eingesetzten Aufgaben lassen sich häufig mit inhaltlichen Überlegungen schneller lösen als mit bekannten Standardverfahren. Eine bewusste Herangehensweise an mathematische Aufgaben soll so gefördert und gleichzeitig Grundlagen wiederholt werden. Der Erfolg wird quantitativ ausgewertet.

Einer alternativen Form der Lehrerfortbildung – dem „Entdeckenden Experimentieren“ – widmen sich Juniorprof. Dr. Markus Emden und Dr. Armin Baur vom Institut für Naturwissenschaften der PH Schwäbisch Gmünd bei der Untersuchung der „Effektivität einer Lehrkräftefortbildung im Format der Schulwerkstatt“. Zentral ist die Frage, wie Lehrkräfte SchülerInnen dazu verhelfen können, sich mithilfe von selbstständigem Experimentieren naturwissenschaftliche Fragestellungen zu erschließen; eine Herausforderung für Lehrkräfte, für die sie oft unzureichend ausgebildet wurden. Halbtägige Workshops, wie bisher üblich, leisten meist keine befriedigende Abhilfe. Im Fokus des Projektes stehen daher die Effekte der alternativen Lehrkräftefortbildung auf das Wissen und Unterrichtshandeln der Lehrkräfte und den Lernerfolg der SchülerInnen. In längerfristig angelegten Fortbildungszeiträumen sollen Lehrkräfte und Fortbildner Zeit haben, Neues zu lernen, zu testen und zu verbessern. Das Naturwissenschaftskollegium einer Schule soll gemeinsam teilnehmen. Erwartet wird, dass diese Form der Fortbildung zu besserem Unterricht und damit Unterrichtserfolg führt. Hiermit gäbe es eine probate Alternative zum Halbtagesworkshop.

 

 


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