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Unterricht erfolgreich gestalten

Die baden-württembergischen Schülerinnen und Schüler schnitten in den IQB-Bildungstrends 2015 und 2016, in denen die Kompetenzen der Schüler/innen der 9. Jahrgangsstufe in Deutsch und Englisch sowie die Kompetenzen der Schüler/innen der 4. Jahrgangsstufe in Deutsch und Mathematik getestet worden waren, nur durchschnittlich ab. Seitdem wird intensiv über die Ursachen debattiert. Bei der Lösungssuche wird vor allem der „Tiefenstruktur“ des Unterrichts sowie der fachlichen Fundierung ein entscheidender Einfluss auf die erfolgreiche Unterrichtsgestaltung zugesprochen. Mit diesem Thema beschäftigten sich Wissenschaftler der PH Schwäbisch Gmünd in einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Dies Academicus am Donnerstag, 16. November.


Prof. Dr. Egbert Witte, Prof. Dr. Claudia Vorst, Prof. Dr. Lutz Kasper und Prof. Dr. Uwe Maier (v.l. )diskutierten über Unterrichtsqualität in der Schule und die forschungsbasierte Professionalisierung im Lehramtsstudium. Prorektor Prof. Dr. Carsten Heinze (Mitte) moderierte die Diskussion.

Prof. Dr. Egbert Witte, Prof. Dr. Claudia Vorst, Prof. Dr. Lutz Kasper und Prof. Dr. Uwe Maier (v. l. )diskutierten über Unterrichtsqualität in der Schule und die forschungsbasierte Professionalisierung im Lehramtsstudium. Prorektor Prof. Dr. Carsten Heinze (Mitte) moderierte die Diskussion.

In der Diskussion wurde deutlich, dass eine Konzentration des bildungspolitischen Diskurses allein auf die Oberflächenstrukturen, so z. B. die Auseinandersetzung um bestimmte Schulformen, über jahrgangsübergreifende Klassen, ein acht- oder neunjähriges Gymnasium sowie die Präferenz für eher geschlossene oder geöffnete Unterrichtsformen, ohne die Berücksichtigung des eigentlichen Vermittlungs- und Aneignungsprozesses, also der „Tiefenstruktur, zu kurz greift. Andererseits wurde festgehalten, dass die zu starke Fokussierung auf die „Tiefenstruktur“ des Unterrichts mit der Gefahr verbunden ist, den gesellschaftlichen Kontext und andere wichtige Einflussfaktoren, wie z. B. den soziokulturellen Kontext der Schülerinnen und Schüler, zu vernachlässigen.

Die theoriegeleitete Analyse und praxisorientierte Reflexion der „Tiefenstruktur“ des Unterrichts kann insofern nur ein Aspekt sein, um Erklärungen für das zum Teil schlechtere Abschneiden der Schülerinnen und Schüler in den Leistungsvergleichsstudien zu finden. Mit Blick auf die Lehrerbildung ist es deshalb notwendig, den Studierenden den komplexen Bedingungszusammenhang des Unterrichts durch die qualitätsvolle Gestaltung der Lehr-/Lernprozesse in einem angemessenen Bezug von Fachlichkeit und didaktischer sowie bildungswissenschaftlicher Expertise zu vermitteln und ihnen zugleich die vielfältigen Voraussetzungen und Bedingungen für die Unterrichtsgestaltung, z. B. auf institutioneller und soziokultureller Ebene, zu verdeutlichen.

Die Bedeutung der „Tiefenstruktur“ für das erfolgreiche Lernen der Schülerinnen und Schüler wurde bei der Diskussion mit Expertinnen und Experten der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd aus erziehungswissenschaftlicher und fachdidaktischer Perspektive reflektiert. In vier Impulsvorträgen stellten Prof. Dr. Uwe Maier (Schulpädagogik); Prof. Dr. Lutz Kasper (Physik und ihre Didaktik); Prof. Dr. Claudia Vorst (Deutsche Literatur und ihre Didaktik) sowie Prof. Dr. Egbert Witte (Allgemeine Pädagogik) zentrale Forschungsbefunde aus der jeweiligen disziplinären Perspektive vor und diskutierten diese im Anschluss, moderiert durch Prof. Dr. Carsten Heinze (Prorektor für Forschung, Entwicklung und internationale Beziehungen).

Ausgehend von den Ergebnissen der empirischen Unterrichtsforschung, wurde die Wirksamkeit und Effektivität solcher Modelle hervorgehoben, die sich an den natürlichen Lerngesetzmäßigkeiten der Schülerinnen und Schüler orientieren. Entscheidend sei es, diese „Basismodelle“ des Lehrens und Lernens in der Lehrerbildung so zu vermitteln, dass die Studierenden zum einen die Komplexität des entsprechenden Lehr-/Lernprozesses verstehen lernen und zum anderen die Möglichkeit erhalten, sich praxisorientierte Modelle für die Unterrichtsgestaltung anzueignen und diese auch anzuwenden. An der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd erfolgt dies durch die wechselseitige Bezugnahme von forschungsbasierter Lehre und reflektierter Praxis in den Lehrveranstaltungen, den Unterrichtspraktika sowie in Kompetenz- und Anwendungszentren, in denen die Studierenden entsprechende Methoden umsetzen und reflektieren können, wie z. B. dem Bilderbuchzentrum (BUFO).

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Auseinandersetzung mit der Wirkungserwartung eines „effektiven“ Unterrichts. Hier wurde auf Momente der Unverfügbarkeit verwiesen, wie sie z. B. im Kontext ästhetischer Bildung auftreten, aber auch auf die Bedeutung existentieller Widerfahrnisse als Bildungsanlässe, die in ihrer Bedeutung für die Schülerinnen und Schüler Berücksichtigung finden müssen. Insofern sind solche Dimensionen, wie die der kognitiven Aktivierung, immer im Rahmen eines umfassenderen Bildungsverständnisses zu betrachten, und die Schülerinnen und Schüler über die bloße Wissensaneignung hinaus zum Denken zu provozieren.


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