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Wer die Not anderer mitverursacht, ist zur Hilfe verpflichtet

Wenn wir miterleben, dass ein Kind ins Wasser fällt, würden wir alles tun, um es zu retten. Nun wissen wir, dass täglich tausende Kinder an Hunger oder heilbaren Krankheiten sterben. Warum tun wir nicht alles, um dies zu verhindern? „Für die ethische Beurteilung spielt es keine Rolle, dass dies weit entfernt geschieht: Ethik kennt keinen Raum“, stellte der Philosoph Prof. Dr. Franz Josef Wetz am Mittwochvormittag in seinem Vortrag zum Thema „Warum helfen? Ethische Begründungen für globale Solidarität“ fest, der den Auftakt für die öffentliche Veranstaltungsreihe „Globales Lernen“ an der PH Schwäbisch Gmünd bildete.


Die Ethik unterscheide aber, ob wir mitverantwortlich sind für die Not, in die andere geraten oder nicht, so Wetz. Wenn nicht, gebe es keine ethische Verpflichtung zur Hilfe. Aber es sei barmherzig, verdienstvoll und großzügig dennoch zu helfen. Anders liege der Fall, wenn wir die Not anderer mitverursachen: In diesem Fall sei es aus Sicht der traditionellen Ethik eine strikte Pflicht, den in Not Geratenen beizustehen. Genau dies sei heute aber in vielen Fällen der Fall. Die Not in anderen Teilen der Welt allein als hausgemacht zu beurteilen und zu behaupten, diese Menschen seien an ihrem Elend selbst schuld, wies Wetz als zynisch zurück.

Wetz stellte die soziale Bewegung des „Effektiven Altruismus“ vor, der es darum geht, Zeit und Geld so einzusetzen, dass Hilfe die größten positiven Auswirkungen hat. Eine Überforderung sagen Kritiker. Fernenliebe sei etwas Unnatürliches. Dagegen führte Wetz an, zu spenden und helfen könne glücklich machen – es sei eine „Win-win-Situation“. Wo unmittelbare Empathie wegen der Entfernung wegfalle, können wir Missstände dank unseres Reflexionsvermögens trotzdem erkennen. Wetz griff in seinem Vortrag bis zu den Kirchenvätern zurück, die die Pflicht zur Hilfe von Notleidenden mit dem Urzustand begründeten, in dem „allen alles gehört“ habe.

In der sich anschließenden Diskussion setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer damit auseinander, ob diejenigen, die durch ihren Lebensstil, Wirtschaft und Politik mitverantwortlich sind, dass andere Menschen zugrunde gehen, als ‚sanktionsfreie Mörder‘ – eine These des australischen Philosophen Peter Singer – bezeichnet werden können. Einigkeit bestand darin, dass die Formulierung nicht juristisch einzuordnen, sondern als provokative ethische Positionierung zu verstehen sei.

Zum Programm der Ringvorlesung


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