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Jugendliche in Not im WorldWideWeb nicht allein lassen

PH Schwäbisch Gmünd beteiligt sich an bundesweiter Studie, die untersucht, wie Schülerinnen und Schüler mit psychischen Problemen im Internet die richtige Hilfe finden/ Rund 15.000 Jugendliche ab zwölf Jahren können in Kooperation mit ihren Schulen teilnehmen /Online-Hilfe bei Problemen wie Anzeichen von Depressionen, Essstörungen, Alkoholmissbrauch sowie zur generellen Gesundheitsförderung/ Psychisch auffällige Jugendliche werden angeleitet, sich professionelle Hilfe zu suchen


Rund 15.000 Teilnehmer, fünf Standorte bundesweit, 3,3 Millionen Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – die jetzt startende Studie „ProHEAD“ ist die bislang größte und umfassendste wissenschaftliche Untersuchung zu Online-Hilfsangeboten für Jugendliche. Prof. Dr. Michael Kaess und sein Team von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg leiten und koordinieren das Projekt. Beteiligt sind weitere Abteilungen des Universitätsklinikums Heidelberg (Forschungsstelle für Psychotherapie; Leitung: PD Dr. Stephanie Bauer) sowie Partner der Universitätsklinika Hamburg-Eppendorf und Leipzig, der Universität Marburg, des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim sowie der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.

So möchte das Forschungsteam der Abteilung Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd unter der Leitung von Prof. Dr. Heike Eschenbeck mit dem Präventionsprogramm „StresSOS“ das psychische Wohlbefinden von gesunden Kindern und Jugendlichen aufrechterhalten und stärken. In acht Online-Sessions lernen die Teilnehmer anhand interaktiver Module, wie Stress entsteht, wie man das eigene Stresserleben beeinflussen kann und wie man mit Stress umgehen kann. „Ich freue mich sehr, dass wir jetzt mit den Online-Präventionsprogrammen starten und die ersten Schulen einladen, bei ProHEAD dabei zu sein“, sagt Prof. Dr. Heike Eschenbeck.

„ProHEAD“ steht für: „Promoting Help-seeking using E-technology for ADole-scents“ – zu Deutsch: „Förderung des Hilfesuchverhaltens von Kindern und Jugendlichen durch den Einsatz neuer Medien“ – und genau darum geht es: Wie müssen Internetseiten zu Depressionen, Essstörungen oder Alkohol-missbrauch aufgebaut sein, damit sie betroffenen Schülerinnen und Schülern wirklich helfen? Und wie kann man über ein Internetportal bereits erkrankte junge Menschen dazu bewegen, sich aktiv professionelle Hilfe zu suchen?

Suchmaschinen im Internet: häufig die ersten, aber nicht die besten Ansprechpartner

Kinder und Jugendliche leiden häufig an psychischen Erkrankungen. Nahezu die Hälfte junger Menschen ist im Laufe des Heranwachsens von Symptomen psychischer Probleme betroffen wie zum Beispiel Essstörungen, gefährlichem Alkoholkonsum oder depressiven Syndromen. Dennoch erhalten die wenigsten von ihnen eine professionelle Behandlung. Besonders junge Betroffene suchen häufig zunächst Unterstützung bei nahestehenden Personen oder informieren sich ausschließlich über das Internet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es ist anonym, zu jeder Tages- und Nachtzeit ansprechbar und auch für Jugendliche in ländlichen Regionen gut erreichbar. „Die Gründe für mangelndes Hilfesuchverhalten in dieser Altersgruppe sind vielfältig. Häufige Barrieren sind Vorurteile, Scham, fehlende Informationen und Skepsis gegenüber den Möglichkeiten professioneller Hilfe“, fasst Projektleiter Prof. Dr. Michael Kaess zusammen. Dabei wäre es wichtig, früh einzuschreiten, so der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Eine möglichst frühzeitige Erkennung und die anschließende professionelle Behandlung psychischer Probleme verbessert die psychische Verfassung des Jugendlichen, vermeidet eine Chronifizierung und kann die Kosten im Gesundheitswesen reduzieren“. Was noch hinzukommt: Nicht alle Internetseiten, die junge Menschen mit Problemen aufsuchen, sind empfehlenswert – so gibt es auch Homepages, die beispielsweise Essstörungen sogar eher noch fördern.

Welche Art von Online-Hilfsangeboten ist wirkungsvoll?

Das Forschungsprojekt möchte die Jugendlichen dort abholen, wo sie sich häufig aufhalten – im Internet. So ist es Ziel der Studie Online-Programme zu entwickeln, umzusetzen und in der Praxis zu testen. Die Programme sollen das Hilfesuchverhalten von Jugendlichen mit psychischen Problemen fördern, bei gefährdeten Jugendlichen die Symptome reduzieren und Jugendlichen ohne Auffälligkeiten allgemeine Tipps zur Förderung der psychischen Gesundheit geben. Vom 1. November an werden bundesweit die ersten Schu-len in das Projekt einsteigen. Die Teilnahme ist für die Schülerinnen und Schüler freiwillig, die Angaben unterliegen dem Datenschutz. Der erste Schritt ist für die Jugendlichen das Ausfüllen eines Fragebogens am PC, was circa 90 Minuten dauert. Auf Basis der Ergebnisse werden die Jugendlichen in drei Gruppen eingeteilt: „Jugendliche mit Verdacht auf eine psychische Erkrankung“, „Jugendliche mit erhöhtem Risiko“ oder „Gesunde Jugendliche“.

„Innerhalb dieser Programme erfolgt eine zufällige Zuteilung zu unterschiedlichen Interventions-Gruppen, um herauszufinden, welche Art von onlinebasierten Hilfsangeboten besonders wirkungsvoll ist bzw. auf welche Weise Betroffene dazu bewegt werden können, sich professionelle Hilfe zu suchen“, sagt Prof. Dr. Michael Kaess. Nach einem und dann noch einmal nach zwei Jahren füllen die Jugendlichen erneut einen Fragebogen aus, um zu erfahren, wie erfolgreich die verschiedenen Angebote waren. Während einige Programme rein automatisiert ablaufen, werden andere von Experten betreut, die beispielsweise in Chats auch individuelle Fragen beantworten. Die Online-Angebote sollen professionelle und persönliche Unterstützung keinesfalls ersetzen. Vielmehr sollen sie Jugendliche darin bestärken, sich Hilfe zu suchen. „Uns ist besonders wichtig, dass im Rahmen des Projekts alle Schülerinnen und Schüler Zugriff auf Online-Angebote zur Förderung der psychischen Gesundheit und zur Prävention psychischer Erkrankungen haben. Dadurch haben alle – zugeschnitten auf ihre Bedürfnisse – die Möglichkeit, auf einfachem Weg etwas für ihr Wohlergehen zu tun.“

Weitere Informationen

Beteiligte der PH Schwäbisch Gmünd:

Projektleitung: Prof. Dr. Heike Eschenbeck

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Laya Lehner M. Sc., Vera Gillé M. Sc.

http://www.prohead.de/

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/ProHEAD.143526.0.html