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Sprachförderung hoch zu Ross

Dass sich Bewegung und Lernen gegenseitig positiv beeinflussen, ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Auch Dr. Nina Grausam, akademische Mitarbeiterin der Abteilung Deutsch mit Sprecherziehung an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, weiß von diesem Zusammenhang und führte darum ein ungewöhnliches Projekt durch: Sprachförderung hoch zu Ross.

„Bisher gab es nur Studien zur Sprachförderung beispielsweise in Bewegungslandschaften im Sportunterricht. Daher wollte ich untersuchen, wie sich die Bewegung auf einem Pferd auf die Sprachentwicklung auswirkt“, erklärt Grausam, die seit 30 Jahren selbst reitet.

Um dies zu erforschen, startete Grausam eine Pilotstudie in ihrer Heimatstadt Kirchheim: Zehn Kindergartenkinder mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund, die maximal seit einem Jahr in Deutschland leben und im nächsten Jahr die Schule besuchen werden, erhielten sechs Monate lang jede Woche für circa eine bis anderthalb Stunden Sprachförderung auf dem Rücken eines Pferdes. Gefördert wurde das Projekt durch die Stadt Kirchheim. Zwei Studentinnen der PH, die ebenfalls Erfahrung mit Pferden hatten, unterstützten Grausam bei der Durchführung.

Tierisch gute Fortschritte

Zu Beginn und Ende der Untersuchung wurde der Sprachstand der Kinder mittels einer linguistischen Sprachstandserhebung erfasst. Die Stunden liefen jeweils in zwei Teilen ab. In der ersten Hälfte machten die Kinder z.B. Übungen zum Wortschatz und Hörverstehen im Reiterstübchen, ehe es für sie aufs Pferd ging. Dort erfolgten Übungen zum Sprachrhythmus, zur Prosodie und zur phonologischen Bewusstheit, wie Reimen oder Silbenschwingen. Die Übungsstunden hinterließen bei den Kindern schon bald ihre Spuren: So wiederholten sie auch im Kindergarten selbstständig das Gelernte – vermutlich, weil sie sich gerne an die Stunden auf dem Pferd erinnerten, nimmt Grausam an. Zudem entwickelten sie sichtbar mehr Selbstvertrauen beim Sprechen, denn „einem Pferd ist es egal, ob ein Satz schief ist oder Wörter falsch ausgesprochen werden“, erklärt Grausam den positiven Nebeneffekt.

Die Fortschritte der Kinder übertrafen die Erwartungen der Wissenschaftlerin bei Weitem: „Die Verbesserung war enorm. Hatten die Kinder am Anfang insbesondere Probleme beim Verstehen von Negationen, bei Satzklammern und der Silbentrennung, formulierten sie am Ende ganze Sätze, konnten Fragen stellen und erweiterten ihren Wortschatz“, gibt Grausam ihre Eindrücke wieder. Die genaue Auswertung müsse allerdings noch abgewartet werden und erfolge in etwa drei Monaten.

Warum sich die Methode so gut geeignet habe, erklärt sich Grausam wie folgt: „Pferde sind für die Sprachförderung geradezu prädestiniert, da sie durch ihre Bewegung den Rhythmus beim Sprechen vorgeben. Wörter werden flüssiger gesprochen. Zudem baut das freundliche und dennoch starke Wesen dieser Tiere Hemmschwellen ab und die Kinder profitieren dadurch emotional und sozial.“

In dieser tierischen Art der Sprachförderung sieht sie darum auch einen bedeutenden Baustein beim Deutschlernen. Ihr Ziel ist es daher, ein Weiterbildungskonzept unter Berücksichtigung der Ergebnisse zu erarbeiten.