PH Schwäbisch Gmünd » Die PH » Aktuelles » News

News

Mit Eltern kommunizieren – mit Kindern philosophieren

Juniorprofessor Dr. Gernot Aich ist zum W3-Professor für Beratung und Entwicklungsförderung im pädagogisch-psychologischen Kontext an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd berufen worden. Sein Forschungsschwerpunkt liegt insbesondere in der Förderung der Kommunikations- und Konfliktlösekompetenz von Pädagog/innen. Hier hat sich der Wissenschaftler als Autor des Buchs „Gesprächsführung mit Eltern“ einen Namen gemacht, das für Lehrkräfte eine hilfreiche Unterstützung darstellt: auch vor dem Hintergrund, dass Kultusministerin Eisenmann jüngst die wachsende Zahl von Eltern beklagte, die sich von ihrem Erziehungsauftrag und vom gemeinsamen Wirken mit Lehrern verabschiedet habe. Welche Fallstricke die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkräften aufweist, verrät Professor Aich im Interview.

Prof. Dr. Gernot Aich

Welche Themen deckt Ihre Professur ab und was macht für Sie die Faszination daran aus?

Aich: Die wichtigsten Felder sind Kommunikation, Konfliktlösung, die psychosoziale Entwicklungsförderung sowie die Gesprächsführung und Beratung. Das Schöne an diesen vielfältigen Themen ist es, dass sich Forschung und Praxis miteinander verbinden lassen – ein Punkt, der mir besonders wichtig ist. Ein gutes Beispiel hierfür ist das „Gmünder Gesprächsmodell zur Gesprächsführung mit Eltern“.

Inwiefern?

Die Forschung bildet die Grundlage für die landesweit angebotenen Trainings, in denen Lehrkräfte lernen, wie sie mit Konflikten im Gespräch mit Eltern besser umgehen und dies praktisch umsetzen können.

Ein Thema, das augenscheinlich vielen auf den Nägeln brennt: In aktuellen Umfragen nennt jede fünfte Lehrkraft, an Grundschulen sogar jede dritte, die Zusammenarbeit mit Eltern als eine der größten Herausforderungen. Was gestaltet sich am Eltern-Lehrer-Gespräch denn so schwierig?

Eins vorneweg: Es gibt sehr viele gute und konstruktive Eltern-Lehrer-Gespräche, aber wenn es konfliktreich wird, geht es an die Substanz der Pädagoginnen und Pädagogen. Oftmals ist unklar, wer für die Problemlösung verantwortlich ist. Sei es bei Hausaufgaben, fehlender Disziplin oder Lernschwierigkeiten. Teilweise geben sich Eltern und Lehrkräfte daran gegenseitig die Schuld. Auch müssen Zielkonflikte bewältigt werden – also unterschiedliche Vorstellungen darüber, was für das Kind das Beste ist.

Was bedeutet das für die Lehrerinnen und Lehrer?

Für die Lehrkräfte ist es wichtig, dass sie darin geschult werden, auf Augenhöhe mit den Eltern zu kommunizieren. Die Notwendigkeit solche Fähigkeiten auszubilden, wurde erkannt und wird auch gefördert. So können Studierende der Gmünder PH z. B. Beratung als Erweiterungsstudiengang absolvieren oder im Profilbereich belegen. Dennoch ist die Kommunikation mit Eltern in der Lehramtsausbildung häufig unterrepräsentiert.

Als Projektverantwortlicher koordinieren Sie zusammen mit Juniorprofessorin Dr. Miriam Stock zudem das europaweite Erasmus+-Forschungsprojekt ENABLE. Was ist Ziel des Projekts?

Unser Ziel ist es, Lehrkräfte und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit Arabisch als Muttersprache darin auszubilden, geflüchtete arabisch sprechende Kinder zu befähigen, autonom zu lernen. Dafür geben wir ihnen die passenden Instrumente an die Hand – wie die Methode des selbstregulierten Lernens.

Was genau versteht man darunter?

Bei diesem Verfahren soll der Lernende hinterfragen, welche Technik er einsetzen kann, um sein vorher festgesetztes Ziel zu erreichen und wie er sich auf dem Weg dahin immer wieder selbst motivieren kann. Die tragenden Säulen des Projektes sind die Entwicklungsförderung und eine gelingende Kommunikation. Denn auch die Tutorinnen und Tutoren müssen stets reflektieren, wie sie den Kindern die neuen Lerntechniken am besten vermitteln, damit diese sie auch umsetzen können.

Im Projekt „Ich bin Ich!“ beschäftigen Sie sich ebenfalls mit der Entwicklungsförderung von Kindern. Worum geht es dabei?

Das Projekt bearbeiten wir gemeinsam mit der „aim – Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken gemeinnützige GmbH“. Unser Hauptaugenmerk gilt der Erfassung und der Förderung des Selbstkonzepts von Kindern.

Was ist das Selbstkonzept?

Das Selbstkonzept kann als das Wissen um die eigene Person beschrieben werden, also die Kenntnis über Fähigkeiten, Verhalten und persönliche Eigenschaften. Kindern hilft ein positives Selbstkonzept dabei, schwierige Situationen zu bewältigen, mit anderen zu interagieren oder Lernprozesse selbstständig zu gestalten.

Wie lief das Projekt ab und was sind die wichtigsten Ergebnisse?

An acht Kitas in Heilbronn und Schwäbisch Gmünd und Umgebung haben wir zunächst das Selbstkonzept der Kinder erfasst und uns angeschaut, welche Angebote und Methoden bereits eingesetzt werden, um das Selbstkonzept zu stärken. Anschließend unterstützten wir die pädagogischen Fachkräfte bei der Entwicklung, Umsetzung und Evaluation von Maßnahmen, die zu einem positiven Selbstkonzept beitragen. Beispielsweise hat das Philosophieren mit Kindern sehr gut funktioniert.

Welches Forschungsfeld möchten Sie in Zukunft gerne noch bearbeiten?

Derzeit nehmen mich neben den genannten Projekten noch zwei Buchprojekte in Anspruch. Aber als Zukunftsperspektive könnte ich mir gut vorstellen, die Kommunikation zwischen Pädagoginnen und Pädagogen und Schülerinnen und Schülern oder Kindergartenkindern genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich denke, auch in diesem Bereich gibt es weitere Verbesserungsmöglichkeiten.


Prof. Dr. Gernot Aich

  • Studium für das Lehramt an Realschulen an der PH Weingarten, Universität Tübingen und der Universität Caceres (Spanien) (1992 – 1998)
  • Seit 2001 tätig in der regionalen und überregionalen Lehrerfortbildung im Bereich Teambildung, Kommunikation und Konfliktlösung, Erlebnispädagogik sowie Leiter von Supervisionsgruppen
  • 2008 – 2009: Leiter des Landesprojekts zur Eignungsabklärung für den Lehrerberuf
  • 2011: Promotion: „Professionalisierung von Lehrenden im Eltern-Lehrer-Gespräch. Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms“
  • 2013: Berufung zum Juniorprofessor für Elternberatung in der Schule
  • Wissenschaftliche Begleitung des Landesprojekts „Gut beraten in der Grundschule“. Ausbildung von Multiplikatoren im „Gmünder Gesprächsmodell zur Gesprächsführung mit Eltern“