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Schritt für Schritt zu mehr Bewegung

Donnerstagnachmittag, 16.15 Uhr, Freibadparkplatz Bettringen: Ein Grüppchen von insgesamt drei Frauen sowie Uli Bopp vom Begegnungszentrum Riedäcker wartet, dass es losgeht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn sie nehmen teil an „Wir bewegen Bettringen“ – ein Projekt dreier PH-Studentinnen, das sie gemeinsam mit dem Begegnungszentrum ausbringen.

Die fleißigen Spaziergängerinnen mit Uli Bopp vom Begegnungszentrum Riedäcker und den PH-Studentinnen Franziska Schmid und Arzum Speidel (v.l.)

Franziska Schmid, Kristina Wiebe und Arzum Speidel studieren Gesundheitsförderung im sechsten Semester an der PH Schwäbisch Gmünd und erkunden im Rahmen des Seminars „Bewegungs- und Gesundheitstraining im Erwachsenen- und Seniorenalter“ mit Menschen ab 50 Jahren an sechs Terminen „die schönsten 30 Minuten-Spazierwege in Bettringen“. Jeweils dienstags und donnerstags treffen sich die Studentinnen mit Spazierwilligen am Freibadparkplatz, der Start- und Zielpunkt ist.
Denn „Spazieren ist gut für die Psyche und den Bewegungsapparat“, bringt es eine Teilnehmerin auf den Punkt, die seit Beginn mitspaziert. „Außerdem macht es Spaß“, fügt sie lachend hinzu.
Bevor die Gruppe startet, wärmt sie sich unter Anleitung der Studierenden rund zehn Minuten auf. Ordentlich gedehnt geht es für die Spaziergänger dann über den Bettringer Bach durch einen kleinen Wald hoch zur Ottilienkirche. Eine schöne Strecke, findet eine Teilnehmerin, die ebenfalls bereits von Anfang an dabei ist. Sie wurde über einen Aushang im Begegnungszentrum auf das Projekt aufmerksam und sucht auf diesem Weg vor allem Gemeinschaft. Sie selbst laufe täglich rund drei bis vier Stunden, „aber in Gesellschaft ist es einfach netter“, sagt sie.

„Gesundheitsförderung heißt Mitgestaltung“

An der Kirche angekommen schlägt eine Teilnehmerin vor, doch einen Blick hineinzuwerfen. Gesagt, getan. Eine der Frauen weiß sogar einiges über die Kirche zu berichten und schildert z.B. die Sage, wonach die Kirche ursprünglich an der Kreuzung Richtung Waldstetten erbaut werden sollte. Für diesen Zweck sei bereits das Holz bereitgelegt worden sein. Doch Engel hätten des Nachts das Holz an die Stelle getragen, an der die Kirche heute steht – weshalb die Wallfahrtskirche zuweilen auch „Holzkirche“ genannt werde. Eine Geschichte, die auch die Studentinnen noch nicht gekannt haben: „Wir lernen jedes Mal etwas Neues dazu“, sagt Franziska Schmid. Seien es Erzählungen wie diese oder noch unbekannte Wege, die sie auf Vorschlag der Teilnehmenden erkunden. Ein gewünschter Effekt: „Wir möchten, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einbringen und Eigeninitiative zeigen. Denn Gesundheitsförderung heißt Mitgestaltung“, erklärt Arzum Speidel, während sie die Treppen hoch zum Panoramaweg erklimmt. Ein einmaliger Blick auf Bettringen belohnt für die kurze Anstrengung.

Niedrigschwelliges Angebot

Auch Uli Bopp, Stadtteilkoordinator in Bettringen, schätzt das niedrigschwellige und offene Angebot und ist schon mehrere Male mitgegangen. „Beim Spazieren kommt man ungezwungen ins Gespräch“, zählt er einen der Vorteile auf. Weitere Vorzüge machten die Studierenden bei der Planung ihres Projekts, bei dem ihnen ihr Dozent Dr. Jens Keyßner hilfreich zur Seite stand, schnell aus: „Spazieren gehen kann jeder – es braucht keine besonderen Voraussetzungen dafür“, erklärt Speidel. Zudem lade es zu Begegnungen und Kontaktpflege ein, und der Kreislauf komme in Schwung.

Motivieren zum Spazieren

Auch die Altersgrenze wählten die Studentinnen bewusst. „Ü 50 schließt einen großen Personenkreis ein – von Berufstätigen bis hin zu Rentnern. Wir wollten, dass möglichst viele Menschen das Angebot nutzen können“, erklärt Schmid. Mit dem Projekt verfolgen die Studierenden verschiedene Ziele: „Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sollen erkennen, dass Bewegung wichtig ist und sie ihnen gut tut – sodass sie sie in ihren Alltag integrieren“, sagt Speidel.„Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Wenn man sich hierfür nicht bewusst entscheidet, ist dieses Ziel schwierig zu erreichen, da wir im Alltag meistens sitzen“, ergänzt Schmid.
Die Runde an diesem Tag ist 1,3 Kilometer lang; das sind etwa 2200 Schritte und damit rund ein Viertel der 10.000 empfohlenen Schritte am Tag, führen die Studentinnen weiter aus. Diese Empfehlung tagtäglich zu realisieren, könne daher eine Herausforderung sein.
Als herausfordernd erwies sich für die Studierenden auch, das Projekt in die Praxis umzusetzen. „Man muss an so viel denken: Wie können wir unser Projekt bekannt machen, wie erreichen wir die Zielgruppe, und, und, und“, schildern sie ihre Erfahrungen. „Da gab es einige Aha-Erlebnisse: Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass persönliche Ansprache oft viel mehr bringt als nur Flyer auszulegen“, veranschaulicht Speidel. Eine wertvolle Erkenntnis – auch fürs spätere Berufsleben.
Mittlerweile ist die Gruppe wieder an ihrem Start- und Zielort angelangt. Es folgt ein Cool down mit einfachen Übungen, und die Initiatorinnen werden mit glücklichen und entspannten Gesichtern belohnt.
„Wir wünschen uns, dass sich unter den Teilnehmenden eine Gemeinschaft bildet und sie sich auch nach Abschluss des Projekts weiterhin gemeinsam bewegen“, sagen Schmid und Speidel. Das Fazit von Monika Mrazek, die zum ersten Mal mit dabei war, macht Mut, dass sich der Wunsch erfüllt: „Das hat Spaß gemacht. Das war bestimmt nicht das letzte Mal!“