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„Der Gedanke an die Chance in Tokio zu leben und zu studieren, ließ mich nicht mehr los“

Eigentlich wollte Marius Metz gar kein Auslandssemester mehr machen. Schließlich war er während seines Bachelorstudiums schon in Schweden. Eigentlich … denn dann besuchte der Masterstudent der Interkulturalität und Integration eine Infoveranstaltung des Akademischen Auslandsamtes. Und wie es der Zufall will, informierte dort Leiterin Dr. Monika Becker über die neue Kooperation der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd mit der Tokyo University of Foreign Studies (TUFS). Die Initialzündung für Marius Metz‘ Wunsch ein Semester in Japan zu studieren. Dabei wusste er nicht viel über das Land: „Man kennt nur die üblichen Klischees und hat stereotype Vorstellungen – aber das hat mich nur noch neugieriger gemacht.“

Marius Metz und seine Japanisch-Dozentin

Der Kontrast zwischen Neuem und Altem und Natur und Stadt war für Marius Metz besonders faszinierend.

Japanischkenntnisse aus Animes

Seine Japanischkenntnisse beschränkten sich auf ungefähr fünf Wörter, die er durch Animes aufgeschnappt hatte. Als aber klar war, dass er nach Japan reisen wird, habe er sich vorbereitet und sich einige Grundlagen angeeignet – was sich später noch als nützlich erweisen sollte.

An einem verregneten Abend im September kam er schließlich in Tokio an und hatte sich auf dem Weg vom Bahnhof zur Uni beinahe verlaufen. Dort begrüßten ihn zwei ältere Sicherheitskräfte, die beide kein Englisch sprachen. Irgendwie verständigten sie sich doch und einer brachte ihn zum Wohnheim, wo ihm eine japanische Studentin sein Zimmer zeigte, das größer war als erwartet. Das Wohnheim – ein graues Betondreieck. „In der Dunkelheit wirkte alles recht düster und trostlos, aber es hatte doch einen gewissen Charme des Fremden.“

Die Universität hingegen beschreibt er als „einen recht schönen, neuen und großen Komplex“. Sie liegt in einem „Vorort“ von Tokio. Und von ihren obersten Stockwerken habe man einen tollen Blick auf den Vulkan Fuji, erzählt er. Mit rund 4000 Studierenden hat sie zudem eine ähnliche Größe wie die Gmünder PH – „das erleichtert die Kooperation sehr“, weiß Monika Becker.

An der Universität fühlte sich Metz gleich gut aufgehoben, „auch wenn die Innenarchitektur des Hauptgebäudes etwas speziell ist, sodass es ein wenig dauert, bis man sich zurechtfindet“. Ein normaler Tag an der Uni startete für ihn mit dem Japanisch-Kurs, mittags ging es mit Kommilitonen in die Mensa und am Nachmittag folgten Seminare z.B. zu Interkultureller Kommunikation oder Psycholinguistik. Zudem besuchte er Kurse zur japanischen Gesellschaft, Mythologie und Geschichte, um mehr über das Land der aufgehenden Sonne zu erfahren. Dank der guten Vorbereitung und Unterstützung durch das Akademische Auslandsamt der PH konnte er sich alle Kurse anrechnen lassen.

Natur, Kultur und Karaoke

Der Alltag, vor allem die Verständigung, gestaltete sich indes etwas schwieriger. Denn viele Japaner sprächen nicht so gut Englisch, erzählt Metz. „Anfangs war es daher ein wenig ungewohnt, da ich nicht viel verstanden habe, was um mich herum genau geschieht.“ Dennoch stellte er einen reizvollen Nebeneffekt fest: „Alltägliche Dinge wie Einkaufen oder Essen wurden so viel interessanter. Man konnte sich manchmal nicht sicher sein, was man da eigentlich vor sich hat.“

Dank seiner japanischen Sprach-Tandem-Partnerin und dadurch dass er schnell Menschen kennenlernte, die bereits Japanisch beherrschten, fand er sich aber recht schnell in dem fremden Land zurecht. An diesem faszinierte ihn besonders der Kontrast von Altem und Neuem: „Tokio als Megacity war eine eindrückliche Erfahrung. Aber auch die vielen alten schintoistischen und buddhistischen Tempel, Klöster und Schreine haben mir gut gefallen.“ Neben Kultur und Natur durfte bei der Freizeitgestaltung auch der ein oder andere Karaoke-Abend nicht fehlen. Am meisten beeindruckt haben ihn aber die Menschen, die er getroffen hat: „Ich habe viel im zwischenmenschlichen Umgang dazugelernt und mich persönlich weiterentwickelt.“ Eine wertvolle Erfahrung für einen Studenten der Interkulturalität und Integration, findet er: „Es ist wichtig, unbekannte Kulturen und Menschen kennenlernen zu wollen.“

Win-win-Situation

Der Masterstudiengang Interkulturalität und Integration war es auch, der die Hochschulkooperation vor mehr als zwei Jahren initiiert hat. „Beide Hochschulen verbindet die Erforschung kultureller Vielfalt“, erklärt Becker und freut sich über die Bereicherung durch den Austausch. Denn auch die daheimgebliebenen PH-Studierenden profitieren davon: „Im vergangenen Semester absolvierten drei japanische Studierende ein Auslandsemester an der PH. Durch eine ganz andere Denkweise erweitern sie auch den Horizont der Studierenden vor Ort – eine echte Win-win-Situation“, so Becker. Bereits im Oktober werden zwei weitere japanischen Austausch-Studierenden an der PH erwartet.

Nach dem Pionier Marius Metz tritt zudem im kommenden Wintersemester eine weitere Studentin der PH ihr Auslandssemester in Tokio an. Eine Entscheidung, die Metz nur allzu gut nachvollziehen kann: „Ein halbes Jahr an der Tokyo University of Foreign Studies in Japan zu verbringen ist eine einmalige Erfahrung. Ich kann es jedem nur empfehlen.“