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Diagnostik von Besorgnis, Aufgeregtheit, Traurigkeit und Freude von Kindern und Jugendlichen

Forschungsgruppe aus Bamberg und Schwäbisch Gmünd stellt neues Fragebogenverfahren in der Diagnostica vor

Angst gehört bei Kindern und Jugendlichen zu den am häufigsten auftretenden psychischen Problemen. Für Prävention und Intervention bei solchen Problemen ist die Verfügbarkeit geeigneter diagnostischer Instrumente eine essenzielle Vorbedingung. Bei Angst ist psychologische Diagnostik besonders wichtig, da Angst zu den „stillen“ Problemen gehört, die sich nicht, wie etwa Hyperaktivität oder Impulsivität, deutlich im offenen Verhalten bemerkbar machen. Sich anbahnende Angstprobleme werden von Erziehenden daher häufig erst sehr spät registriert (nämlich dann, wenn ihre Folgeerscheinungen gravierend werden), in ihrer Bedeutung falsch eingeschätzt oder sogar übersehen. Gut validierte Verfahren zur Angstdiagnostik, die auf dem Erleben von Kindern und Jugendlichen aufbauen, sind daher unverzichtbar, um Angstprobleme frühzeitig aufdecken zu können. Auch für die Erforschung der Bedingungen und Folgen von Angst sind solche Instrumente erforderlich.

Mit dem Mehrdimensionalen Angstinventar für Kinder und Jugendliche (MAI-KJ) wird ein dem Stand der Forschung entsprechendes Verfahren zur Messung von Angst vorgelegt, das für den Einsatz bei 9- bis 16-jährigen Kindern und Jugendlichen (Klassenstufe 3 bis 10) konzipiert ist. Es wird ein theoretisch wie methodisch aktuelles Instrument bereitgestellt, das zudem vergleichsweise ökonomisch ist, einen breiten Anwendungsbereich aufweist und dessen Reliabilität auch für die Einzelfalldiagnostik ausreichend ist. Im Unterschied zu bereits vorliegenden Verfahren wurde besonderer Wert auf (a) eine hinsichtlich Depression diskriminant valide Erfassung zentraler Komponenten der Angst, (b) eine umfassende Prüfung der faktoriellen Struktur des Verfahrens mittels explorativer und konfirmatorischer Faktorenanalysen und (c) den Nachweis der Messinvarianz gegenüber Geschlecht und Alter gelegt. Letzterer ist speziell bei Verfahren für Kinder und Jugendliche, die eine große Altersspanne abdecken sollen, notwendig. Im intendierten Anwendungsbereich stellen die genannten Eigenschaften Alleinstellungsmerkmale des MAI-KJ dar.

Die erwartete Struktur des Verfahrens konnte an zwei großen, voneinander unabhängigen Stichproben von Kindern und Jugendlichen der Klassenstufen 3 bis 10 (Stichprobe 1: N = 2.594, Stichprobe 2: N = 7.339) bestätigt werden. Dabei wurden die Items eindeutig einem Besorgnis-, Aufgeregtheits-, Traurigkeits- bzw. Freudefaktor zugeordnet. Die Resultate untermauern somit die Separierbarkeit der mit dem MAI-KJ erfassten Angst- und Depressionsfacetten bei Kindern und Jugendlichen.

Das MAI-KJ kann immer dann eingesetzt werden, wenn eine differenzierte Erfassung angst- bzw. depressionsbezogener Befindlichkeiten für Forschungs- oder praktische Fragen erwünscht ist. Es ist das einzige deutschsprachige Instrument, das eine diskriminant valide Diagnose von Angst und Depression bei Kindern und Jugendlichen ermöglicht. Im Unterschied zu anderen Verfahren in diesem Bereich ist das MAI-KJ mit einem adäquaten Messmodell abgesichert und basiert auf aktuellen Standards entsprechenden Methoden. Das MAI-KJ ist zudem auch das einzige Verfahren, für das Messinvarianz in Bezug auf Alter und Geschlecht geprüft und weitgehend nachgewiesen wurde. Dies ist vor allem für Forschungszwecke wichtig, um Ergebnisse aus verschiedenen Gruppen sinnvoll miteinander vergleichen zu können.

Hock, M., Heim-Dreger, U., Eschenbeck, H. & Kohlmann, C.-W. (2019). Die Diagnostik von Angst und Depression mit dem Mehrdimensionalen Angstinventar für Kinder und Jugendliche (MAI-KJ). Diagnostica. Online-first