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Von „Mitgliederinnen“, „Quotenfrauen“ und dem „Recht auf Heimat“

Auf breites Interesse und rege Beteiligung stieß das erste Diskussionsforum an der Gmünder Pädagogischen Hochschule. Organisiert vom Zentrum für Migrations- und Integrationsstudien („Migration – Gesellschaft – Schule“) (MiGS) diskutierten an vier Abenden externe Referent/innen, verschiedene Personengruppen der Hochschule – aus Verwaltung, Wissenschaft und Studierendenschaft – sowie interessierte Teilnehmer/innen über kontroverse Themen rund um Identität, Migration oder Gender.

Dialogue matters
Podium Dialogue matters

Die Dialogreihe startete mit einem ebenso aktuellen wie umstrittenen Thema: gendergerechte Sprache. Wie sinnvoll und alltagstauglich diese ist, wurde heiß diskutiert. Über das Aufbrechen eines generischen Maskulinums war sich der Großteil der Diskutierenden einig. Nichtsdestotrotz sprachen die Teilnehmer/innen aber auch über sprachliche Verrenkungen, die übers Ziel hinausschießen – wie z.B. der falsch gegenderte Begriff „Mitgliederinnen“.
Der zweite Abend widmete sich der Frage: „Wer hat Angst vorm weißen Mann?“. Dem „alten weißen Mann“ wurde die Konstruktion „junge naive Frau“ entgegengesetzt, was die Diskussion in eine andere Richtung als erwartet führte. So wurde über alters- und geschlechterbezogene Zuschreibungen gesprochen wie Mann-Sein vs. Frau-Sein oder Alt-Sein vs. Jung-Sein. Fragen des (Alltags-)Rassismus fanden hierbei zunächst wenig Beachtung, wurden jedoch später insofern berücksichtigt, als es u.a. um die Konstruiertheit des Phänomens „Migrant(in)-Sein“ und die Macht diesbezüglicher Zuschreibungen ging.
Die dritte Veranstaltung fragte nach dem Sinn oder Unsinn von Quoten zur Herstellung von Gleichberechtigung. Spricht eine Quote Frauen ihre eigene Leistung ab? Oder ist sie ein wirkungsvolles Instrument, um Gleichberechtigung herzustellen? Im Zuge der Diskussion wurde u.a. angemerkt, dass eine Frauenquote z.B. in Parlamenten Aspekte sozialer Herkunft außer Acht lasse. Daher müsse auch die Repräsentanz von beispielsweise People of Colour, Menschen mit Behinderung oder Nicht-Akademiker/innen gefördert werden – mit oder ohne Quotenregelung.
Den Abschluss bildete das Thema „Heimat, o Heimat“; ein Diskussionsgegenstand, der die Teilnehmer/innen zu persönlichen Gedanken einlud: Heimat wurde mit Erinnerungen aus der Kindheit, jenem Dorf oder auch einer bestimmten Biermarke verbunden. Doch darüber hinaus stellten sich die Diskussionsteilnehmer/innen auch die Frage, wer ein „Recht auf Heimat“ habe. Denn Heimat könne auch ein Ausdruck von Privilegien sein. Daher sei zu hinterfragen, ob der Heimatbegriff, besonders vor dem Hintergrund von Migration, überhaupt noch zeitgemäß sei. Dieser Begriff stoße doch einen Diskurs um Zugehörigkeit an, die dominanzkulturell bestimmt werde, so Paul Mecheril, Referent des Abends (Universität Bielefeld).
So unterschiedlich die Themen und Meinungen auch waren, so einhellig fiel die Bilanz zum ersten Diskussionsforum aus: „Das neue Diskussionsformat wurde sehr positiv angenommen und mitgestaltet“, beurteilt Prof. Dr. Nazli Hodaie, Sprecherin des MiGS. Darum plant das Organisationsteam auch eine Fortsetzung der Reihe im Herbst 2020.