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Bildung, Bubble Tea und ein bleibender Eindruck

Noch bevor das Corona-Virus die Welt stark veränderte und für geschlossene Grenzen sorgte, war das Reisen in andere Länder ganz selbstverständlich. Rückblickend schätzen sich daher die Studentinnen Julia Klauser und Milena Wöger sowie die Leiterin des Akademischen Auslandsamtes der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd Dr. Monika Becker umso glücklicher, dass sie Ende vergangenen Jahres die Gelegenheit wahrnahmen und am „Language & Culture Programme“ der National Taipei University of Education (NTUE) teilnahmen. Zu dem zweiwöchigen Programm lud die taiwanesische Partnerhochschule der PH ein.

Milena Wöger und Julia Klauser

Milena Wöger und Julia Klauser

Auch Dr. Monika Becker, Leiterin des Akademischen Auslandsamts der PH (Mitte), besuchte das „Language & Culture Programme“, um sich mit Kolleginnen und Kollegen über die Kooperation auszutauschen.

Auch Dr. Monika Becker, Leiterin des Akademischen Auslandsamts der PH (Mitte), besuchte das „Language & Culture Programme“, um sich mit Kolleginnen und Kollegen über die Kooperation auszutauschen.

Hier sprachen die europäischen Partner mit taiwanesischen Studierenden über die jeweiligen Bildungssysteme, erfuhren mehr über Land, Sprache und Leute und schufen im persönlichen Kontakt die Basis für einen möglichen späteren Austausch. Julia Klauser und Milena Wöger waren zum ersten Mal in der Region und zeigten sich beeindruckt: „Die zwei Wochen waren genauso perfekt durchorganisiert wie der gut funktionierende und günstige Öffentliche Nahverkehr in Taiwan“. Überrascht waren sie zudem von der herzlichen Gastfreundschaft, der abwechslungsreichen Architektur der Stadt und dem großen Interesse der einheimischen Studierenden an ihnen. Ebenfalls positiv aufgefallen ist den beiden, wie modern das Schulsystem ist: Programmierung ist beispielsweise in der Ausbildung der Lehrkräfte fest verankert – und die Anwendung schon ab der Grundschule selbstverständlich: „Kinder sind dort wahrscheinlich besser auf die digitale Welt von morgen vorbereitet“, vermuten sie.
Auch Dr. Monika Becker schwärmt von der ostasiatischen Insel: „Taiwan ist immer einen Besuch wert.“ Ganz ähnliche Strukturen erleichterten zudem die Bildungszusammenarbeit: In beiden Ländern werden Lehrkräfte für Grundschulen und den vorschulischen Bereich an Pädagogischen Hochschulen ausgebildet, die Forschungseinrichtungen mit Universitätsstatus und Promotionsrecht sind.
Kurzzeitprogramme wie jenes im vergangenen Jahr in Taipeh hält Becker für wichtig: „Gerade angehende Lehrkräfte brauchen interkulturelle Kompetenz“, sagt sie. Oftmals hätten die Studierenden aber nicht den Mut, gleich ein ganzes Semester im Ausland zu verbringen – gerade, wenn die Partnerhochschule zwölf Flugstunden entfernt auf einem anderen Kontinent liege. Ein durchstrukturiertes, pädagogisch gut begleitetes Kurzprogramm sei daher genau das Richtige. Denn, wenn die Studierenden erfahren, wie es ist, sich in einem fremden Sprach- und Schriftsystem zurechtzufinden oder lernen, unbekannte kulturelle „Fettnäpfchen“ zu umschiffen, könnten sie sich später besser in ihre Schülerinnen und Schüler hineinversetzen, denen es ähnlich gehe. Daher hoffe sie, dass das „Language & Culture Programme“ nach Ende der Corona-Krise wieder wie bisher einmal jährlich angeboten werde.

Wertvolle Erfahrung auf einem anderen Kontinent

Einen anderen Kontinent erleben – diese Erfahrung machen bzw. machten Yu-Chun Sun und Marcel Fischer. Yu-Chun Sun studiert aktuell an der PH und wird danach als Grundschullehrerin arbeiten. Besonders gefällt ihr, wie Englisch in den Grundschulen unterrichtet wird. Auch das gemütliche Schwäbisch Gmünd mit seinen alten Gebäuden und einem ganz anderen Lebensrhythmus im Vergleich zu ihrer Heimatstadt – der modernen Millionen-Metropole Taipeh – haben es ihr angetan. Zudem empfindet sie die gute Gemeinschaft mit internationalen Studierenden aus der ganzen Welt an der PH als große Bereicherung.
PH-Student Marcel Fischer dagegen genoss die Abwechslung und die Modernität Taiwans und die Aufgeschlossenheit der Menschen. Bei seinem Praktikum in einer Grundschule in Taipeh fiel ihm auf, wie groß die gegenseitige Rücksichtnahme und der Respekt schon bei ganz jungen Schülerinnen und Schülern ist.
Dass sich diese Rücksichtnahme, die nicht nur in der Schule, sondern auch im öffentlichen Leben eine große Rolle spielt, auch auf die Bewältigung der Corona-Krise positiv auswirke, glaubt Monika Becker: „Die Gesellschaft dürfte damit einen wichtigen Teil dazu beitragen, dass das Land mit der Corona-Krise relativ gut zurechtkommt.“
Wie für Marcel Fischer stellte auch für die Studentinnen Julia Klauser und Milena Wöger die Zeit in Taiwan eine wertvolle Erfahrung dar: Sie lernten neue Unterrichtskonzepte kennen, könnten nun die eine oder andere Alltagssituation auf Chinesisch meistern – wie z.B. den berühmten Bubble Tea bestellen – schlossen Freundschaften und erlebten, wie gut sich Lernen und Spaß verbinden lassen. In jedem Fall haben sie Geschmack gefunden und können sich – nach Corona – ein Auslandssemester in dem liebgewonnenen Land sehr gut vorstellen.
Auch Monika Becker freut sich schon auf die Zeit nach der Corona-Krise: „Gerade in Zeiten wie diesen merken wir, wie wichtig die Internationalisierung und die Zusammenarbeit mit Ländern auf der ganzen Welt sind – ob auf persönlicher oder beruflicher Ebene. Daher bin ich zuversichtlich, dass der internationale Austausch an Stellenwert gewinnt, wenn die Grenzen wieder offen und Begegnungen über Grenzen hinweg wieder möglich sind.“

info

Seit 2019 pflegt die PH Schwäbisch Gmünd eine Hochschulkooperation mit der ältesten Pädagogischen Hochschule Taiwans, der National Taipei University of Education (NTUE). Ein Großteil der 6000 Studierenden an dieser Hochschule wird zu Lehrkräften für den Vorschul- und Grundschulbereich ausgebildet, wobei sich die Grundschulzeit in Taiwan über sechs Jahre erstreckt. Taiwan landet regelmäßig auf den vorderen Plätzen der PISA-Studie (aktuell weltweit auf Platz 4 in Mathematik). Um die Lehrkräfte noch besser auf die Herausforderung der Zukunft vorzubereiten, die denen in Deutschland sehr ähnlich sind (Digitalisierung, wachsende Vielfalt in den Klassenzimmern, Mehrsprachigkeit, alternde Gesellschaft), fördert die NTUE den internationalen Austausch ihrer Studierenden sehr stark: Möglichst viele der zukünftigen taiwanesischen Lehrerinnen und Lehrer sollen bei Auslandsaufenthalten ihre Fremdsprachen verbessern und lernen, welche pädagogischen Ansätze es in anderen Ländern gibt.
Zahlreiche Lehrveranstaltungen an der NTUE finden auf Englisch statt, was den akademischen Austausch besonders erleichtert.