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„Geschichte ist eine Schule in Toleranz“

Mit Prof. Dr. Christian Wieland hat die Pädagogische Hochschule (PH) Schwäbisch Gmünd einen echten Adelsexperten gewonnen. Der Frühneuzeithistoriker wurde zum Professor für Geschichte und ihre Didaktik berufen und nahm seine Arbeit in der Abteilung Geschichte der Hochschule im September auf. Der neue Direktor der Abteilung beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte Europas zwischen etwa 1500 und 1800.

Foto des neuen Geschichtsprofessors Prof. Dr. Christian Wieland

„In der Vergangenheit habe ich zu Themen wie dem Verhältnis von Adel und gelehrter Bildung oder zum Spannungsfeld von Adels- und Rechtskultur geforscht“, erklärt Wieland. An der „unhinterfragten Idee des Adels“, wie sie für das Mittelalter und die Frühe Neuzeit prägend war, fasziniere ihn besonders, dass sie dem Denken der Gegenwart völlig fremd sei. „Heute versuchen wir dem vorzubeugen, dass die gesellschaftliche Stellung von der Herkunft abhängt.“ Der Adel sei daher eine „Provokation für die Gegenwart.“ Aber gerade deshalb eigne er sich besonders gut als Anschauungsobjekt für die Funktionsweisen, Werte und Praktiken vergangener Gesellschaften.
Daher plant der gebürtige Bochumer ein Handbuch zur Geschichte des europäischen Adels in der Frühen Neuzeit zu konzipieren und herauszugeben.
In seinen Veranstaltungen möchte Professor Wieland die Studierenden dafür sensibilisieren, vergangene Gesellschaften in ihrer Differenz zu analysieren – ohne Wertungen, ohne Urteile, „ohne die Vermengung von historischem Tun mit moralischen Kategorien“. Denn „wenn man Geschichte betreibt, muss man die Andersartigkeit, die Fremdheit der Vergangenheit ertragen können.“ Geschichte sei daher in gewisser Hinsicht „eine Schule in Toleranz“.
Fachdidaktisch interessiert Wieland vor allem das Thema „Geschlecht“ im Geschichtsunterricht. „Es ist reizvoll, wie Geschlecht und Geschlechterrollen das politische Handeln der Verantwortlichen beeinflussten und wie sie sich Geschlechterrollen eben auch nutzbar machten.“
Die PH, so sagt der 51-Jährige, sei für ihn der ideale Ort, an dem er seine beiden beruflichen Leben, das universitäre und das schulische, miteinander verbinden könne. „Ich freue mich auf das Arbeiten mit neugierigen, interessierten jungen Leuten und darauf, Studierende des Faches Geschichte dabei zu unterstützen, gute Lehrerinnen und Lehrer zu werden.“

Info

  • 2018-2020: Studienrat am Goethe-Gymnasium Frankfurt
  • 2017: 2. Staatsexamen
  • Visiting Fellow der Universität Oxford
  • Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Darmstadt und Frankfurt
  • 2009: Habilitation
  • Dissertation „Fürsten, Freunde, Diplomaten. Die römisch-florentinischen Beziehungen unter Paul V. 1605 – 1621“
  • Studium Geschichte und Latein in Tübingen, Trier, Oxford und Freiburg