GastvorträgeProf. Dr. Gerdi WeidnerPreventive Medicine Research Institute, Sausalito (USA) “Lifestyle changes and the prevention of coronary heart disease” Prof. Dr. Matthias Jerusalem Humboldt-Universität zu Berlin „Gesundheitsförderung in der Schule“ Prof. Dr. Wolfgang Stroebe Universität Utrecht (Niederlande) „Warum Abnehmen so schwer fällt: Ein Zielkonfliktmodell der kognitiven Regulation des Essverhaltens“ Philosophischer Gastvortrag: Prof. Dr. Franz Josef Wetz Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd „Körperzentrierte Lebensgestaltung“ Gerdi Weidner Preventive Medicine Research Institute, Sausalito CA Lifestyle Changes and the Prevention of Coronary Heart Disease This presentation focuses on results from a research program investigating the effects of an intensive lifestyle intervention on cardiovascular outcomes. We report findings from 2 completed randomized phase III clinical trials and 2 health-insurance sponsored multi-site demonstration projects (phase IV; one completed, one on-going). The intervention aims to improve diet (low fat, plant-based), exercise, and stress management. To date, more than 2000 cardiac patients differing in disease severity have participated in the intervention, with follow-ups ranging from 3 months to 5 years. Outcomes include medical risk factors (lipid profiles, blood pressure, exercise capacity, weight, cardiac events) and psychosocial variables (depression, hostility, quality of life). Results from the 2 phase III clinical trials demonstrated the effectiveness of the intervention. Specifically, intervention participants were able to change their lifestyle, evidencing significant improvements in left ventricular ejection fraction (LVEF), standard coronary risk factors, and psychosocial status, as well as significant reductions in angina, coronary artery stenosis, and cardiac events when compared to controls. These results prompted several nationwide health insurance providers to cover the intervention as an alternative to invasive treatment of coronary heart disease (CHD), resulting in 2 multi-site phase IV demonstration projects: the Multicenter Lifestyle Demonstration Project (MLDP; 1993-1997), and the Multisite Cardiac Lifestyle Intervention Program (MCLIP; 1998-ongoing). Analyses of data from these projects show that regardless of gender and disease severity (e.g., CHD ± diabetes, low vs. high LVEF; CHD patients vs. those with ≥3 CHD risk factors), patients were able to follow the recommended lifestyle and evidenced improvement in standard coronary risk factors and quality of life similar to that observed in the intervention arms of the earlier phase III randomized clinical trials. The results from this program of research show that evidence-based low-cost behavioral interventions can be successfully adopted by health insurance plans. Considering the economic burden of CHD in terms of symptom management, increased risk of cardiovascular events, and lost productivity, these findings take on added significance. Matthias Jerusalem Humboldt-Universität zu Berlin Gesundheitsförderung in der Schule Gesundheitsförderung in Kindheit und Jugend ist besonders wichtig, da sich risikoreiche Verhaltens- und Lebensstile (z.B. Fehlernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkoholkonsum) früh entwickeln und stabilisieren und später nur noch sehr schwer zu ändern sind. Gesundheitsförderung in diesem Alter findet überwiegend in der Schule statt, da hier fast alle Kinder und Jugendlichen erreichbar und gruppenbezogene Maßnahmen mit Evaluation möglich sind. Zudem hat das schulische Umfeld einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit und die Ausbildung sozialer Fertigkeiten, die wiederum in einem komplexen Beziehungsgefüge zu gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen stehen. Dieser Beitrag informiert über traditionell risikobezogene Maßnahmen zur Gesundheitserziehung sowie neuere, entwicklungsorientierte Ansätze einer Gesundheitsförderung durch Ressourcenstärkung sowie deren Wirksamkeit. Im Laufe der Geschichte psychologischer Gesundheitsförderung in der Schule hat sich insgesamt eine Strategie der Risikoprophylaxe durch Entwicklung von Ressourcen durchgesetzt. Aus schulischer Sicht wird Gesundheitsförderung meist als wichtig, aber mit zusätzlichem Aufwand verbunden erlebt, da sie zur Bewältigung des Bildungsauftrags wenig beiträgt. Neuere Ansätze verdeutlichen deshalb insbesondere gemeinsame Ziele und Aufgaben von schulischer Bildung und Gesundheitsförderung. Daraus ergeben sich integrative Maßnahmen einer übergreifenden schulischen Entwicklungsförderung, die zugleich für Gesundheit, Lernen und Sozialverhalten förderlich sind. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf noch offene Fragen und Forschungsaufgaben. Wolfgang Stroebe Universität Utrecht Warum Abnehmen so schwer fällt: Ein Zielkonfliktmodell der kognitiven Regulation des Essverhaltens Seit 1980 erfahren praktisch alle industrialisierten Länder (und auch viele Entwicklungsländer) einen dramatischen Anstieg von Übergewicht und Adipositas. Da Adipositas nicht nur mit gesundheitlichen Schäden sondern auch mit negativen sozialen Konsequenzen verbunden ist, steigt in diesen Ländern der Anteil der Bevölkerung, der chronisch bemüht ist, Gewicht zu verlieren. Obwohl diesen Abnahmeversuchen häufig Erfolg beschieden ist, ist der Erfolg meist kurzfristig. Nach vier bis fünf Jahren haben die meisten Übergewichtigen das verlorene Gewicht wieder zurück gewonnen. Damit erhebt sich die Frage, warum manchen Menschen das Abnehmen so schwer fällt. Im meinem Vortrag werde ich erst auf das Grenzmodell des Essverhaltens eingehen, das den „gezügelten Esser“ als chronisch aber erfolglos mit Abnahmeversuchen befassten Menschentyp identifiziert hat. Gezügelte Esser sind kontrollierte Esser, die ihre Kalorienaufnahme an einer Diätgrenze orientieren. Diese Kontrolle benötigt kognitive Kapazität und ist damit äußerst störanfällig (z.B. bei starken Emotionen). Nach einer Kritik des Grenzmodells werde ich unser Zielkonfliktmodell vorstellen, das davon ausgeht, dass sich gezügelte Esser in einem Konflikt zwischen zwei widersprüchlichen Zielen befinden, nämlich Essgenuss und Gewichtskontrolle. Sie bemühen sich, das Gewichtskontrollziel dadurch abzuschirmen, dass sie Gedanken an gutes Essen vermeiden. Ich werde ein Forschungsprogramm vorstellen, das mit Methoden der sozialen Kognitionsforschung aufweist, warum diesen Bemühungen in einer Umwelt voll von Reizen, die gutes Essen signalisieren, häufig kein Erfolg beschieden ist. Literatur: Stroebe, W. (2000). Social Psychology and Health. Buckingham: Open University Press Stroebe, W. (2003). Psychologische Steuerung des Essverhaltens. In F. Peterman & V. Pudel (Eds.). Übergewicht und Adipositas (pp. 87-104). Göttingen: Hogrefe Verlag. Papies, E., Stroebe, W., & Aarts, H. (in press) Pleasure in the mind: Food imagery of restrained and unrestrained eaters. Journal of Experimental Social Psychology. Stroebe, W., Mensink, W., Aarts, H., Schut, H. & Kruglanski, A. (in press) Why dieters fail: testing the goal conflict model of eating. Journal of Experimental Social Psychology. Franz Josef Wetz Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd Körperzentrierte Lebensgestaltung Ein gesteigertes Körperbewusstsein gehört zu den charakteristischen Merkmalen unserer Zeit. Dafür zeichnen verantwortlich der Bedeutungsverlust der schweren Körperarbeit, der Zuwachs an wohlfahrtsstaatlichen Einrichtungen, vermehrte Freizeit und gesellschaftliche Disziplinierungen, die im Gegenzug körperbezogene Daseinspraktiken hervorrufen. Zeitgenössische Formen reiner Körperlichkeit sind Gesundheitswahn, Körperkult, Sportversessenheit, Abenteuerlust und Sexsucht. Bei diesen Enklaven reiner Körperlichkeit geht es vordergründig mal um Vitalität, Schönheit, Prestige, Jugendlichkeit, mal um erfolgreiches Kräftemessen, Wettbewerb, Bewegungsdrang, mal um entspanntes Wohlbefinden, angespannte Erregung oder prickelnden Kick. Eine weiter gehende Erklärung dieser Phänomene erfordert eine Aufhebung der für die abendländische Denktradition charakteristischen Natur-Kultur-Antinomie: Aus sozio- und evolutionsbiologischer Sicht stehen hinter den allgemeinen Zielen der heutigen Körperkultur die kulturell überformten Mechanismen der natürlichen und sexuellen Selektion, das heißt die ursprünglichen Lebensinteressen der Selbsterhaltung und Fortpflanzung, deren überschüssigen Antriebskräfte der entlastete Mensch in den Dienst körperlicher Selbsterfüllung nimmt. |