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Gender als Thema im Studium

Prof. Dr. Claudia Vorst

Abteilung / Projekt / etc:
Deutsch mit Sprecherziehung

Wo waren oder sind Geschlechterverhältnisse Gegenstand meiner Forschung?

In der Forschung habe ich mich zuletzt im Zusammenhang eines Überblicksartikels mit Geschlechterverhältnissen beschäftigt.

Auszug:
"Studienergebnisse aus dem Bereich der geschlechterdifferenzierten Leseforschung und -förderung legen nahe, dass sich Leseinteressen und Identifikationsbedürfnisse von Mädchen und Jungen deutlich unterscheiden (Garbe 2008, Richter/Plath 2003/2012).

Während Mädchen im weitesten Sinne psychologische Texte wie Beziehungs-, Liebes- und Tiergeschichten bevorzugten, lägen Jungenpräferenzen auf Texten mit Spannung und Aktionsreichtum, so Garbe 2008 (67).

Ergebnisse dieser Art leisten einer geschlechtersegregierenden Lesedidaktik Vorschub, die vor dem Hintergrund der aktuellen schulpädagogischen Geschlechterforschung (vgl. Rendtorff 2011) Geschlechterrollenstereotype reifiziert und (etwa durch gekennzeichnete Mädchen- und Jungenlektüre in der Klassenbücherei) immer weiter verfestigt. Der Anspruch, durch die Auswahl von Texten Identifikationsangebote zu schaffen, wird durch eine naturalistische Geschlechterbildung konterkariert. Vielmehr kommt es darauf an, in einem offenen Dialog mit den Kindern individuelle Lektürepräferenzen in ihrer Vielfalt zu thematisieren und Zuschreibungen von „Mädchen“- und „Jungenlektüre“ als solche gemeinsam mit den Kindern zu problematisieren.

Ein solcher Ansatz der Interessenbildung könnte unseres Erachtens auch zielführend im Bereich der Förderung der Verlierer der schulischen Leseförderung sein (laut PISA sind dies häufig Jungen aus bildungsfernen Milieus sowie aus Migrantenfamilien mit patriarchalischer Tradition)."

(aus: Petra Büker/Claudia Vorst: Kompetenzerwerb im Lese- und Literaturunterricht in der Grundschule. In: Kämper-van den Boogaart, Michael/Spinner, Kaspar H. (Hrsg.): Lese- und Literaturunterricht. 2., aktual. Auflage Baltmannsweiler 2018 (Deutschunterricht in Theorie und Praxis/DTP, Bd. 11/2 (im Druck)

 

Wie thematisiere ich Geschlechterverhältnisse in meiner Lehrtätigkeit?

Im Zusammenhang mit den oben genannten Forschungsergebnissen:

  1. in Seminaren zur Kinder- und Jugendliteratur (Werkanalysen, historische Entwicklung der 'Mädchenliteratur')

  2. zur Lese- und Literaturdidaktik (Vorstellung von Forschungsergebnissen zur Literaturrezeption, Auswahl geeigneter Werke für den Unterricht, gendersensible methodische Aufbereitung)

  3. in Forschungsseminaren und Professionalisierungspraktika im Zusammenhang des Bilderbuchzentrums, wo immer auch nach anregender Literatur für beide Geschlechter gesucht wird und wo keine gekennzeichneten Mädchen- oder Jungenecken existieren

  4. in Lehramtsprüfungen zum Thema