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Von Krieg und Frieden

Welche Rolle konnte eine Unternehmergattin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einnehmen? Wie erlebte ein Rotarmist den Zweiten Weltkrieg? Und warum unterschieden sich die sexuellen Gepflogenheiten der Menschen auf der Schwäbischen Alb von denen eines Weinbauortes wie Kirchheim am Neckar?
Mit diesen und weiteren Fragen haben sich die Autorinnen und Autoren des Buches „Mikrohistorische Studien aus einem halben Jahrtausend“ in insgesamt zehn Beiträgen beschäftigt. Sie alle sind Studierende der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, die mit oft lokalgeschichtlichem Ansatz allgemeinhistorische europäische Themen beleuchten.

Cover Mikrohistorische Studien aus einem halben Jahrtausend

Unter Auswertung von Daten wie dem Auf und Ab von Geburten, Hochzeiten und Todesfällen berichten sie von Freud und Leid der damals lebenden Menschen in Heubach, Amstetten und Kirchheim am Neckar „und ermöglichen auch einen Blick in die Schlafzimmer vor 400 Jahren“, sagt Herausgeber Professor Dr. Gerhard Fritz.

Neben harten Fakten und nackten Zahlen durchforsteten die Studierenden auch die damalige Tageszeitung, den „Remsthal-Boten“. Die Berichterstattung von einst gibt Aufschluss darüber, wie die Menschen in Schwäbisch Gmünd die „Einigungskriege“, z.B. von 1870/71, wahrnahmen. „Es geht hier keineswegs nur um trockene Diplomatie- und Kriegsgeschichte“, sagt Fritz.

Durch Tagebücher und Briefe lüften die AutorInnen zudem den Vorhang zum Alltag ihrer Verfasser und Verfasserinnen: Im umfangreichsten, 150 Seiten umfassenden Beitrag über Martha Franck, Frau des Geheimrats Robert Franck, rückt Studentin Esther Krauter die Unternehmerfrau erstmalig in das Zentrum des Interesses. Sie sei keineswegs „nur das belanglose Anhängsel eines erfolgreichen Konzernchefs“ gewesen, der mit der Produktion und dem Vertrieb eines Kaffee-Ersatzes sein Ludwigsburger Stammwerk zu einem europaweiten Konzern ausbaute, sagt Fritz. Neue Einblicke aus ganz unterschiedlichen Perspektiven bieten die Aufsätze über den in Russland und Italien eingesetzten Flaksoldaten Wolfgang Näfelt sowie über den Rotarmisten Andrej Basenko, dessen Aufzeichnungen „ganz und gar nicht der Heldengeschichte der offiziellen sowjetischen und russischen Geschichtsschreibung entsprechen“.

Buchinfos:

Mikrohistorische Studien aus einem halben Jahrtausend. Untersuchungen aus Krieg und Frieden vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.
Hrsg. von Gerhard Fritz (historegio Bd. 11, Schriftenreihe des Instituts für Gesellschaftswissenschaften der PH Schwäbisch Gmünd 10). Remshalden: Hennecke, 422 Seiten, 22,80 Euro, ISBN 978-3-948138-03-5

Inhalt

Studien zur historischen Demographie

  • Carina Kümmel: Historisch-demographische Untersuchungen zu Amstetten im 17. Jahrhundert  
  • Selina Rieger: Historisch-demographische Untersuchungen zu Kirchheim am Neckar im 17. Jahrhundert
  • Lukas Mohr: Historisch-demographische Untersuchungen zu Heubach Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts

Studien zum 19. Jahrhundert: Die Kriege von 1864, 1866 und 1870/71

  • Celine Lips: Der Deutsch-dänische Krieg von 1864 in der Berichterstattung des „Remsthal-Boten“
  • Anna Amann: Der Deutsche Krieg von 1866. Berichterstattung aus dem „Remsthal-Boten“           
  • Caroline Fritz: Schwäbisch Gmünd und der Deutsch-französische Krieg I: Der Ausbruch des Krieges und das Kriegsjahr 1870                                                                                    
  • Lukas Mohr: Schwäbisch Gmünd und der Deutsch-französische Krieg II: Das Kriegsjahr 1871 und der Friede von Frankfurt                                                                                

Studien zum 20. Jahrhundert

  • Esther Krauter: Wie lebte eine Dame der „besseren Gesellschaft“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts? Untersuchungen zum Tagebuch der Martha Franck aus den Jahren 1905 und 1906                
  • Anja Hübner: Der Krieg des Flaksoldaten Wolfgang Näfelt. Erfahrungen 1941 und 1946
  • Vitali Basisty: Der Krieg des Rotarmisten Andrej Basenko von 1942 bis 1945    

Das Buch ist in der Bibliothek der PH Schwäbisch Gmünd unter der Signatur: E mp/ Mikr 64 zum Ausleihen vorhanden.