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Bullying in der Schule und im Internet

Beim Bullying bzw. Mobbing in der Klasse gibt es nicht nur Opfer oder Täter. Auch die übrigen Schülerinnen und Schüler nehmen als sogenannte Bystander hierbei unterschiedliche Rollen ein. Von diesem Ansatz, dem Participant-Role-Ansatz, ging Rhea-Katharina Knauf, die nun zum Dr. phil. promoviert wurde, in ihrer Dissertation aus. Sie untersuchte, welche Rollen die Mitglieder einer Schulklasse beim Bullying einnehmen, ob diese auch beim Cyberbullying gelten und durch welche sozial-kognitiven und affektiven Reaktionen sie sich auszeichnen.

Screenshot der Teilnehmenden der Online-Disputation

Erfolgreiche Online-Disputation: Prof. Dr. Michael Hock (Zweitgutachter, Institut für Psychologie, Universität Bamberg), Dekan Prof. Dr. Thomas Weiß (Vorsitzender des Promotionsausschusses), Rhea-Katharina Knauf und Prof. Dr. Heike Eschenbeck (Doktormutter und Erstgutachterin), von oben links im Uhrzeigersinn. Quelle: Screenshot Weiß.

Bullying ist definiert als ein Gruppenphänomen, bei dem sich aggressive Akte über einen längeren Zeitraum systematisch gegen schwächere Gruppenmitglieder richten. Neben Tätern und Opfern gibt es darüber hinaus Verstärker, die mit ihrem Verhalten das Bullying fördern; Verteidiger, die gegen das Bullying in Aktion treten und Außenstehende, die sich aus der Situation heraushalten. In zwei Pilotstudien entwickelte Rhea-Katharina Knauf die benötigten Instrumente zur Untersuchung der empirischen Fragestellungen und brachte diese schließlich in der Hauptstudie zusammen. Insgesamt beteiligten sich mehr als 2200 Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 6 bis 10 an den Studien.

Bullying vorbeugen

Die Ergebnisse: Besonders Verteidiger und Täter unterscheiden sich in Hinblick auf Empathie, Verantwortungsgefühl, Selbstwirksamkeitserwartungen und Moral Disengagement. „Grundsätzlich lehnen Heranwachsende Aggression und Gewalt in der Regel ab, lösen sich aber in konkreten Fällen von Bullying teils von diesen moralischen Maßstäben – zum Beispiel, indem sie die Angriffe herunterspielen oder dem Opfer die Schuld geben“, erklärt Knauf den Begriff des Moral Disengagement.

Im Vergleich zu den Tätern wiesen die Verteidiger weniger Moral Disengagement, jedoch ein höheres Level an Empathie, Verantwortungsgefühl und Verteidiger-Selbstwirksamkeit auf. Wider Erwarten unterschieden sich die Bystander-Rollen aber nicht hinsichtlich ihrer auf das Eingreifen oder Helfen bezogenen Befürchtungen. Obwohl in früheren qualitativen Studien die Angst vor negativen Konsequenzen – z.B. davor selbst in den Fokus der Täter zu geraten oder Freunde zu verlieren – häufig als Begründung genannt wurde, nicht zu helfen, hegen die Verteidiger in der aktuellen quantitativen Studie zwar ebenso wie die anderen diese Befürchtungen, greifen aber dennoch ein.

Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass die Förderung von Empathie, Verantwortungsgefühl und Selbstwirksamkeitserwartungen für die Prävention von Bullying wichtig sind, so Knauf. Gerade Lehrkräfte hätten hierbei zudem eine wichtige Modellfunktion und dürften bei Aggressionen und Sticheleien nicht wegsehen.

Info:

Was ist Mobbing überhaupt? Rhea-Katharina Knauf erklärt im Blogbeitrag des Online-Magazins „The Inquisitive Mind“ den in Alltag und den Medien häufig verwendeten Begriff des Mobbings.