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Achtsamkeitstrainings in der Hochschullehre

Achtsamkeitstrainings stellen eine niederschwellige Maßnahme zur Stressbewältigung dar, mit denen eine große Anzahl von Studierenden erreicht werden kann. Anna Westbrock konnte in ihrer Masterarbeit an der PH Schwäbisch Gmünd zeigen, dass Achtsamkeitstrainings in unterschiedlichen Formaten und Intensitäten in die Lehre integriert werden können. Sie könnten dabei helfen, die psychosoziale Versorgung an Hochschulen zu verbessern und empfehlen sich als Baustein für ein Studentisches Gesundheitsmanagement.

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Studierende scheinen auf den ersten Blick aufgrund ihres Alters und Bildungsstands zu einer sehr gesunden Bevölkerungsgruppe zu gehören. Bundesweite Studien zeigen jedoch, dass dies für die körperliche, nicht aber für die psychische Gesundheit gilt. In puncto Prävention bieten viele Hochschulen bereits Stressmanagementprogramme und psychosoziale Beratungen an. Dennoch gibt es Hinweise, dass viele Studierende, die Unterstützung benötigen, keine Hilfe erhalten. Die Situation dürfte sich durch die Corona-Pandemie noch verschärft haben.

Westbrock, die heute an der Hochschule Kempten das studentische Gesundheitsmanagement koordiniert, hat zwei achtsamkeitsbasierte Interventionen entwickelt, die sich im Format und in der Intensität unterschieden, und führte sie in ihren Lehrveranstaltungen durch. Die eine Intervention war ein intensives Achtsamkeitstraining mit vier 90-minütigen Einheiten, die als Seminar „Personenbezogene Schlüsselqualifikation“ im ersten Semester des Bachelorstudiengangs Gesundheitsförderung angeboten wurde. Die andere Intervention beinhaltete 10-minütige Einheiten mit kurzen Achtsamkeitsübungen, die wöchentlich zu Beginn eines Statistikseminars im dritten Semester desselben Studiengangs durchgeführt wurden.

In einer Vorher-Nachher Studie untersuchte Anna Westbrock Akzeptanz und wahrgenommene Wirksamkeit der Trainings sowie Veränderungen in Achtsamkeit und Stressempfinden. Insgesamt nahmen 91 Studierende in zwei Interventionsgruppen oder einer Kontrollgruppe teil. Die Kontrollgruppe erhielt keine Intervention, sondern nahm am Seminar zu „Personenbezogenen Schlüsselqualifikationen“ bei einem anderen Dozenten teil, in dem Achtsamkeit kein Thema war. Alle Studierenden wurden vor Beginn der Intervention und nach der letzten Einheit mit Fragebögen befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass beide Interventionsformate von den Studierenden sehr gut angenommen und als hilfreich bewertet wurden. Die Wirksamkeit des intensiven Achtsamkeitstrainings wurde etwas besser bewertet als die der kurzen Achtsamkeitsübungen zu Beginn des Statistikseminars. Die Wirkung auf die Veränderung der Achtsamkeit und des Stressempfindens war eher durchwachsen und sicherlich auch durch den Messzeitpunkt, kurz vor den Prüfungen, beeinflusst.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit hat Westbrock zusammen mit ihrer Betreuerin Prof. Dr. Birte Dohnke in der Fachzeitschrift CurrentPsychology (https://doi.org/10.1007/s12144-022-03114-x) veröffentlicht.