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Musikepochen aus der Perspektive von Komponistinnen erschließen

Studierende der PH Schwäbisch Gmünd erproben in der Seniorenhochschule erfolgreich einen neuen Zugang zu Musikepochen über einen generationenübergreifenden Dialog ausgehend von bedeutenden Komponistinnen.

Musikepochen werden an den Schulen überwiegend anhand der berühmten Komponisten der Epoche erarbeitet. Vertretungsprofessorin Dr. Ina Henning hat mit ihren Studierenden einen neuen Blickwinkel gewählt: Die Studierenden erarbeiteten im Seminar alle Musikepochen seit dem Mittelalter anhand bedeutender Komponistinnen der jeweiligen Zeit und erstellten daraus digitale Hörspaziergänge für die Seniorenhochschule. In Tandems präsentierten sie chronologisch eine Biographie einer Komponistin mit ausgewähltem Hörbeispiel und hoben dabei hervor, was sie besonders beeindruckend am Werdegang der Persönlichkeit fanden. Ausgehend von Hildegard von Bingen über Barbara Strozzi, Emilie Mayer, Mathilde de Rothschild, Fanny Hensel und Alma Mahler-Werfel wurden auch Komponistinnen der Gegenwart wie z.B. Chaya Czernowin und Galeet Dardashti präsentiert. Anschließend fand der an separaten Tischen aufgebaute Hörspaziergang statt, bei dem die Anwesenden tiefer in die Welten der einzelnen Epochen und Hörbeispiele eintauchen konnten. Die Seniorinnen und Senioren konnten über Tablets oder eigene Geräte die Werke anhören und im Gespräch mit den Studierenden auch etwas aus ihrer Perspektive zu Werken, Epochen und Künstlerinnen beitragen.

Durch die musikwissenschaftliche Einordnung der Epochen über die Frauen mit ihren individuellen Hintergründen, kulturellen Zugehörigkeiten – u.a. auch zur jüdischen Kultur – und anderen Herangehensweisen ergab sich für alle ein neuer Blickwinkel auf die Epochen. Dieser berücksichtigte zum einen die Heterogenität der Musik in einer Zeit, zum anderen rief dieser Blickwinkel zur intersektionalen Betrachtung von Barrieren auf, dass beispielsweise Frausein und Jüdischsein miteinander in Wechselwirkung stehen können, wenn bestimmte Frauen alleinig aufgrund ihres Geschlechts und ihrer kulturellen Zugehörigkeit besonderen Benachteiligungen ausgesetzt waren.

Die Veranstaltung zeigte auf, dass die gesamte Musikgeschichte durchzogen ist von machtvollen Aushandlungen und Autorisierungen, die erst seit den 2000er Jahren in der musikwissenschaftlichen Frauen- und Geschlechterforschung vermehrt erforscht werden.