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Sechs Jahre Forschung für starke Grundschulen
FuN-Kolleg zeigt Wege für eine heterogenitätssensible Schulentwicklung
Wie kann Schule der Vielfalt ihrer Lernenden gerecht werden? Mit dieser Leitfrage endete das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderte Forschungs- und Nachwuchskolleg „Heterogenität gestalten – starke Grundschulen entwickeln“ nach sechs Jahren erfolgreicher Arbeit. In über 34 Teilprojekten untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Pädagogischen Hochschulen Schwäbisch Gmünd und Weingarten, wie Unterricht, Personal- und Organisationsentwicklung so gestaltet werden können, dass Grundschulen Heterogenität produktiv nutzen und Bildungsungleichheiten abbauen können.
Im Zentrum stand dabei die Frage, wie sich Schule als lernende Organisation weiterentwickeln kann, um Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen bestmöglich zu fördern – ob durch mehrsprachigkeitssensible Unterrichtskonzepte, kooperative Professionalisierungsformate, digitale Unterstützungsangebote oder Schulleitungs- und Teamentwicklung.
„Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass Schulentwicklung dann nachhaltig gelingt, wenn sie systemisch gedacht und auf allen Ebenen – vom Unterricht über das Kollegium bis zur Schulstruktur – verankert ist“, erklärt Prof. Dr. Robert Grassinger im Namen des Leitungsteams. „Das FuN-Kolleg hat in einzigartiger Weise Forschung und Schulpraxis zusammengebracht und so einen praxisnahen Forschungsraum geschaffen, in dem neue Ideen für eine inklusive und gerechte Grundschule erprobt werden konnten.“
Zu den zentralen Ergebnissen zählen unter anderem:
- die Entwicklung von Professionalisierungskonzepten für Lehrkräfte zur Reflexion eigener Differenzpraktiken und zur Förderung gewaltfreier Kommunikation
- Unterrichtsmodelle für entdeckendes, differenzierendes und mehrsprachiges Lernen – etwa durch die Aktivierung der Familiensprachen von Kindern oder den Einsatz von KI-gestützten Lernumgebungen
- Instrumente zur Schulentwicklung, wie Professionelle Lerngemeinschaften, Konzepte für Lernentwicklungsgespräche und Modelle zur Begabungsberatung
- Empfehlungen für bildungspolitische Rahmenbedingungen, etwa zur kontextsensiblen Ressourcensteuerung über schulscharfe Sozialindizes
Diese Ergebnisse wurden in Panels und „Talk Tables“ der zweitägigen Abschlusstagung vorgestellt und im neu erschienenen Sammelband „BildungsWelten Grundschule – Heterogenität gestalten (Bd. 6)“ dokumentiert. Die Keynote von Prof. Dr. Jürgen Budde von der Europa-Universität Flensburg ordnete den Begriff Heterogenität als zentralen, aber ambivalenten Kernbegriff der Bildungsforschung ein und unterstrich die gesellschaftliche Bedeutung des Themas.
Das FuN-Kolleg - unter der Leitung von Prof. Dr. Robert Grassinger, Prof. Dr. Stefan Immerfall, Prof. Dr. Nazli Hodaie, Jun.-Prof. Dr. Anja Kürzinger, Jun.-Prof. Dr. Taha Kuzu, Prof. Dr. Stefanie Schnebel - gilt als landesweit einzigartiges Modellprojekt, in dem Nachwuchsforschung, Lehrerkräftebildung und Schulentwicklung eng verzahnt wurden. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen inzwischen in Fort- und Weiterbildungsprogramme, Schulnetzwerke und neue Forschungsinitiativen ein – unter anderem in die Reihe „BildungsWelten Grundschule“ und in künftige Kooperationen zwischen Hochschulen und Schulen.
„Das Kolleg hat nicht nur wissenschaftliche, sondern auch schulpraktische Spuren hinterlassen“, resümiert Prof. Dr. Stefanie Schnebel. „Viele der entwickelten Konzepte werden bereits an Partnerschulen umgesetzt – und tragen dazu bei, dass Grundschulen ihrem Auftrag als ‚Schule für Alle‘ gerecht werden.“
Homepage: https://xn--heterogenitt-gestalten-b5b.de/
Reihe ,BildungsWelten': https://www.waxmann.com/reihen/erziehungswissenschaft/Reihe-BildungsWelten-Grundschule-%E2%80%93-Heterogenitaet-gestalten