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Sind Männer und Frauen nicht von Natur aus verschieden?

„Der Mensch ist ein soziales Wesen. Babys bekommen bereits ab der Geburt vorgelebt, wie ein Mädchen oder ein Junge sein soll. Es gibt zwar biologische Geschlechtsmerkmale, deren Unterscheidung in ‚weiblich’ und ‚männlich’ für die Fortpflanzung von Bedeutung ist. Es sind jedoch nicht Hormone und Gene, die persönliche Eigenschaften und Verhaltensweisen festlegen. Vielmehr wachsen Kinder in Auseinandersetzung mit Normen und Erwartungen an ihr Verhalten ‚als Junge’ oder ‚als Mädchen’ auf. Auch das Gehirn, das sich in Bezug auf die eigenen Erfahrungen entwickelt, unterliegt diesem Einfluss. Vom ersten Tag an werden bei Mädchen andere Gehirnregionen stimuliert als bei Jungen. Viele Menschen haben Probleme mit den Erwartungen, die an sie ‚als Mann’ oder ‚als Frau’ gestellt werden: Ein Junge weint nicht! Ein Mädchen ist nicht aggressiv! Frauen eignen sich besser für Pflegeberufe, Männer eher für technische Berufe ... Je weniger wirkmächtig solche Setzungen ausfallen, desto einfacher ist es, eigene Vorstellungen von Weiblichkeit, Männlichkeit oder etwas anderem zu leben und auszuprobieren. Geschlecht ist obendrein ein sozialer Platzanweiser: bei der Berufswahl, auf der Karriereleiter, bei der Arbeitsteilung in der Familie, in der Politik, in den Medien, in der Wirtschaft, im Sport ... Überall werden Menschen in die Schublade ‚männlich’ oder ‚weiblich’ einsortiert. Doch das hat nichts mit ‚natürlichen’ Eigenschaften zu tun, umso mehr aber mit gesellschaftlichen Geschlechternormen.“

Beck, Dorothee; Stiegler, Barbara: Das Märchen von der Gender-Verschwörung – Argumente für eine geschlechtergerechte und vielfältige Gesellschaft. Friedrich-Ebert-Stiftung. Broschüre. Berlin, 2017, S. 14.