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News Transfer & Weiterbildung

Unterstützung für Young Carer im Ostalbkreis

Kinder und Jugendliche, die Angehörige pflegen, sogenannte Young Carer, erleben häufig erhebliche Einschränkungen in ihrer Alltagsgestaltung und Lebensqualität, etwa durch den Rückzug aus ihren sozialen Gruppen oder den Verzicht auf altersangemessene Freizeitaktivitäten. Das Institut für Pflegewissenschaft der PH Schwäbisch Gmünd hat mit Unterstützung des Amts für Familie und Soziales der Stadt Schwäbisch Gmünd im Projekt „Power to Young Carer“ untersucht, welche Bedürfnisse Young Carer haben und welche Unterstützungsleistungen ihre physischen, psychischen und sozialen Belastungen verringern würde. Das auf der Basis der wissenschaftlichen Befunde entwickelte Konzept beinhaltet neben konkreten Maßnahmen auch eine digitale Informationsplattform, die niedrigschwellig über Angebote im Ostalbkreis informiert und betroffene Jugendliche zielgerichtet weitervermittelt.

Podiumsdiskussion bei der Abschlussveranstaltung

Das Projekt unter Leitung von Juniorprofessorin Dr. Veronika Anselmann, kommissarische Leiterin des Instituts für Pflegewissenschaft, stellt eine bundesweit bislang seltene kommunale Initiative dar und leistet insbesondere im süddeutschen Raum Pionierarbeit in der empirischen Auseinandersetzung mit dieser Zielgruppe. Nach einem ersten initialen Projekt in den Jahren 2021 und 2022 konnte im November 2023 das Folgeprojekt starten. Dieses lief bis Ende Oktober 2025 und wurde im Rahmen des „Innovationsprogramms Pflege 2023“ durch das Ministerium für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg gefördert. 

Im Ostalbkreis übernehmen nach aktuellen Schätzungen mehr als 1.700 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene regelmäßig Pflege- und Unterstützungsaufgaben innerhalb ihrer Familien. Die Übernahme pflegerischer und versorgungsbezogener Aufgaben ist in der Regel nicht altersgerecht und kann tiefgreifende Auswirkungen auf Bildungsbiografien, soziale Teilhabe und die psychosoziale Entwicklung haben. Das Institut für Pflegewissenschaft hat Kontakte zu diesen jungen Menschen aufgebaut und sie über ihre Situation interviewt. Dabei war es sehr schwierig, an die Young Carer zu gelangen. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung von Netzwerkpartnern, Gremien und Akteuren wurde dies möglich. Die Projektverantwortlichen der Stadt, Hans-Peter Reutert, Leiter des Amts für Familie und Soziales Schwäbisch Gmünd, Renate Wahl, Leitung der Abteilung Senioren und des Generationentreffs Spitalmühle und Kirsten Pritschow, Projektkoordinatorin im Projekt Young Carer der Stadt Schwäbisch Gmünd, haben mit fundierten Informationsvorträgen dafür gesorgt, dieses Thema zu platzieren.

Darüber hinaus haben die Projektverantwortlichen versucht, über Netzwerke verschiedene Ansprechpersonen für das Thema zu sensibilisieren. Dabei stellte sich insbesondere die Schulsozialarbeit als wichtig heraus, da sie eine Vermittlungsrolle zwischen Unterstützungsangeboten und Schülerinnen und Schülern darstellen kann. Schulen sollen vermehrt in die Verantwortung genommen und das Thema bereits in der Lehrerausbildung thematisiert werden. Denn in der Lebenswelt Schule kann vertrauensvolle Beziehungsarbeit stattfinden. Sensibilisierung stellt ein zentrales Vorgehen dar. 

Anselmann stellte bei der Abschlussveranstaltung des Projekts in der Creative Hall Assisted Living auf dem PH Campus klar, dass die Young Carer nicht den Wunsch haben, aus dieser Aufgabe herausgeholt zu werden. Ziel muss es daher sein, Unterstützungsangebote für Young Carer zu entwickeln, um ihnen diese Aufgabe zu erleichtern und ihre Situation in den Blick zu rücken. 

Informationsplattform: www.young-carer-ostalb.de