Musikpädagogik zwischen Bildungsutopie und Systemkonformität
Tagung der Internationalen Leo-Kestenberg-Gesellschaft
Programm (605 KB)
15.10. & 16.10.2026 Altbau der PH
15. Oktober
9.00 Uhr
Anreise, Registrierung
9.30 Uhr Begrüßung / Auftakt:
Rektor Prof. Dr. Sabla-Dimitrov und Prof. Dr. Ina Henning mit Tagungsteam
10.00 Uhr Online Eröffnungskeynote
Prof. Dr. Christian Thorau, Universität Potsdam
Musik / Wissen / Vermittlung im Feld von Wissenschaftskommunikation und Public Humanities – Trends, Forderungen, Widersprüche
11.00 – 11.15 Uhr Kaffeepause
Panel 1: Zwischen Bildungsutopie und Systemkonformität
11.15 – 12.15 Uhr
Prof. Dr. Juliane Gerland, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt
„Wir kämpfen ja so ein bisschen…“ Verstehensperspektiven auf Herausforderungen von Musiklehrkräften zwischen Utopie und Konformität
Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt, PH Heidelberg
Utopie oder System? Lehren und lernen zwischen Anpassungsdruck und kreativer Selbstentfaltung
12.30 – 13.30 Uhr Mittagspause CATERING in der Kapelle
Panel 2: Machtsensibler Umgang mit kultureller Diversität im Musikunterricht
13.30 – 14.30 Uhr
Prof. Dr. Olivier Blanchard, PH Luzern
Mitgebracht, hervorgebracht, vorgeordnet: Kulturelle Diversität, Macht und Agency im Musikunterricht
Andreas Eschen, Leo-Kestenberg-Gesellschaft, Berlin
Fragen zum Hegemonie-Begriff
14.30 – 15.00 Uhr Kaffeepause
Panel 3: Praxisperspektiven ― Transfer kultureller Diversität in die Musikpädagogik
15.00 – 16.00 Uhr
Prof. Dr. Andreas Höftmann, PH Weingarten
Postdigitale kulturelle Entformung – Kompositorische (Reflexions-)Strategien im Streamingzeitalter
Dr. phil. Theda Weber-Lucks, Leo Kestenberg Musikschule, Berlin
Neue Erfahrungen mit szenischen Konzertformaten
16.00 ― 16.45 Uhr
Lisa Tuyala / Jochen Keller / Petar Obradović, Popakademie Mannheim & Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz
Zwischen Utopie, Vision und tradierten Strukturen in der Metropolregion Rhein-Neckar: Das Ensemble Colourage und der Global Music B.A. ― Eine offene Diskussionsrunde
17.00 ― 19.30 Uhr
Team des JOiN-Hauses, Junge Oper Stuttgart & Schmetterlingshaus e.V., – Martin Mutschler und Mike Schattschneider
Radikales Powersharing in Kulturinstitutionen – Workshop nach der Schmetterlingsmethode
20.00 Uhr
lockerer gemeinsamer Ausklang im Rokokoschlösschen
16. Oktober
09.00 ― 10.00 Uhr Machtsensibler Umgang mit künstlerischen Prozessen in der musikpädagogischen Forschung
Rabea Beier, M.A., Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt
Machtreflexivität als Grundlage diversitätssensibler Praxis – Perspektiven auf professionelles Handeln in der musikalischkulturellen Bildung
Martina Fladerer, PhD, Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz
How do we relate? Diffraktiv forschen in der Musikvermittlung
10.00 ― 10.30 Uhr Kaffeepause (Kapelle)
Prof. Dr. Gabriele Hofmann, PH Schwäbisch Gmünd
Machtsensible Forschung in der Musikpädagogik – Potenziale von Arts-Based Research am Beispiel des Demokratiebegriffs
PD Dr. Grazia Giacco, Université de Strasbourg und Prof. Dr. Ina Henning, PH Schwäbisch Gmünd
Recherche-création- auf dem Weg zu einer Didaktik des künstlerischen Forschens in pädagogischen Kontexten
Leo Kestenberg (1882 ― 1962) setzte mit seiner fortschrittlichen Kulturpolitik als preußischer Ministerialbeamter Maßstäbe, seine innovativen Bildungsimpulse
führten zu weitreichenden musikpädagogischen Reformen. Dabei verstand es Kestenberg vorzüglich, verschiedenste Kräfte zu vernetzen und im Sinne eines gemeinsamen Anliegens zusammenzuführen. Nach seiner 1932 erzwungenen Aufgabe seiner Ämter setzte er seine künstlerische, musikpädagogische und kulturpolitische Arbeit in Prag und Tel Aviv fort. Sein Gesamtkonzept für eine umfassende musikalische Bildung gilt bis heute als wegweisend, haben wir uns innerhalb der Musikpädagogik auch in der Jetzt-Zeit mit den von Kestenberg gestellten Aufgaben und deren Umsetzung in einer zeitgemäßen Weise auseinanderzusetzen. Als großes Ganzes unterliegt das komplexe System musikalischer Bildung, das durch die Weimarer Reform in der Person Kestenbergs und weiterer Mitstreiter:innen kürzlich erst wissenschaftlich umfassend in den Blick genommen und als Gegenstand weitreichender kulturpolitischer Reformen dargestellt wurde, gegenwärtig einem sehr starken gesellschaftlich bedingten Transformationsprozess. Dieser Transformationsprozess ist so zu gestalten, dass als oberstes Leitziel Bildungsgerechtigkeit und Bildungszugänge für alle geschaffen werden. Kulturelle Diversität, Inklusion und Heterogenität und Musikpädagogik und Musikvermittlung und sind jedoch in diesem Transformationsprozess zu Begriffen geworden, deren Dimensionen es neu auszuloten gilt vor dem Hintergrund normativer Setzungen im Spannungsfeld zwischen Systemkonformitätsdruck und Systemkritik. In der Jetzt-Zeit stehen Fragestellungen im Vordergrund, die sich mit der Wirkmächtigkeit von gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen, die die Musikpädagogik in Forschung und Lehre unterschiedlicher Weise betreffen. Fragen von Macht und Sensibilität gegenüber vulnerablen Personengruppen in Forschungskontexten, das Hinterfragen eigener Wissensordnungen in der Musikpädagogik in der Auseinandersetzung mit künstlerischen Prozessen sowie der Umgang mit Superdiversität sind hier ebenso adressiert wie komplexe Fragen der Adressierung des Praxistransfers in unterrichtliche Zusammenhänge. Die Internationale Leo-Kestenberg-Gesellschaft lädt Wissenschaftler:innen, Künstler: innen, Pädgagog:innen sowie deren Nachwuchs aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz aus der Musikpädagogik und angrenzender Disziplinen ein, sich mit dem umrissenen Themenkomplex beschäftigen. Des Weiteren sind Lehramtsstudierende sowie Kulturschaffende Zielgruppe dieser D-A-CH Tagung.